Hoffnungsträger Mittelstand

14. Mai 2013

250 Teilnehmer beim 3. deutsch-russischen Unternehmerkongress  in Berlin / Kontaktstelle Mittelstand im Ost-Ausschuss nimmt ihre Arbeit auf

Für die Weiterentwicklung der russischen Wirtschaft und der deutsch-russischen Modernisierungspartnerschaft spielen mittelständische Unternehmen eine entscheidende Rolle. Dies wurde beim 3. deutsch-russischen Unternehmerkongress am 14. Mai im Berliner Hotel de Rome deutlich. Rund 250 Teilnehmer aus ganz Deutschland und vielen russischen Regionen nahmen an der Veranstaltung teil, die von der Wegweiser GmbH  in Zusammenarbeit mit dem Handels- und Wirtschaftsbüro der Botschaft der Russischen Föderation, dem Verband der russischen Wirtschaft in Deutschland und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft organisiert wurde.

Zu den prominenten Rednern des Kongresses gehörten der Stellvertretende Minister für wirtschaftliche Entwicklung Russlands Leonid Osipov, der Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern Christoph Bergner, Ost-Ausschuss-Vorsitzender Eckhard Cordes, der außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag Philipp Mißfelder sowie mehrere Gouverneure und Bürgermeister aus Russland.

Sieben Roadmaps der russischen Regierung

In seinem Grußwort lobte der russische Botschafter in Berlin Wladimir Grinin die besondere mittelständische Unternehmenskultur in Deutschland und betonte, dass die russische Regierung nunmehr optimale Bedingungen für ein Engagement deutscher Kleinerer und Mittlerer Unternehmen (KMU) in Russland schaffen wolle. Die dafür vorgesehenen Schritte stellte der stellvertretende Minister für wirtschaftliche Entwicklung Leonid Osipow vor. Demnach habe die russische Regierung sieben „Roadmaps“ und ein dazugehöriges effizientes Monitoring für Reformen in einzelnen Wirtschaftsbereichen entwickelt. Ziel sei es, Russland bis 2018 im Doing Business Report der Weltbank vom aktuellen Platz 112 bis unter die 20 besten Länder zu führen. Zu den Maßnahmen, die bereits umgesetzt wurden, gehöre die Gründung des Russischen Fonds für Direktinvestitionen (RDIF), der insgesamt zehn Milliarden US-Dollar für Beteiligungen von in- und ausländischen Unternehmen an Projekten in Russland bereithalte. Zudem sei für die Probleme gerade mittelständischer Unternehmer mit Boris Titow ein zentraler Ombudsmann eingesetzt worden, der sich auf Mitarbeiter in 58 russischen Regionen stützen könne.

Nach Ansicht von Sergej Borisow, Vize-Präsident der Sberbank Russland und Mitglied im Aufsichtsrates des Mittelstandsverbandes OPORA, müssten KMU zum Motor der russischen Wirtschaft werden. Noch vor der Korruption sei für diese der Fachkräftemangel in Russland das „Problem Nummer 1“. Die deutschen Erfahrungen mit dem Dualen Ausbildungssystem seien hier vorbildhaft. Durch die Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas sei Russland bei Reformen etwas träge geworden, kritisierte Borisow und fügte angesichts der aktuell drohenden wirtschaftlichen Abschwächung hinzu: „Wir müssen jetzt die unternehmerische Initiative stärken, sonst werden wir es nicht einfach haben.“ Bis zum Jahr 2020 sollten KMU einen Anteil von 40 Prozent am russischen Bruttoinlandsprodukt erreichen. Derzeit liege die Zahl erst bei 23 Prozent.

Kontaktstelle Mittelstand im Ost-Ausschuss

Der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes verwies in seiner Keynote auf eine aktuelle Umfrage für den „Global Entrepreneurship Monitor“. Demnach wollen sich in Russland in nächster Zeit nur 2,2 Prozent der Befragten neu selbstständig machen, der geringste Wert aller 69 an der Umfrage beteiligten Länder. Daher seien die Anstrengungen der russischen Regierung, das freie Unternehmertum zu unterstützen und die Investitionsbedingungen für kleine und mittelständische Betriebe zu verbessern, „ein guter Plan“.

„Wir glauben, dass die Förderung des Mittelstands in Russland zu einem festen Kern der deutsch-russischen Modernisierungspartnerschaft werden sollte“, sagte Cordes und wies auf die neu geschaffene „Kontaktstelle Mittelstand Russland“ im Ost-Ausschuss hin. Projektleiter der Kontaktstelle, die am 15. Mai ihre Arbeit aufnahm, ist Alexey Savinskiy, langjähriger Mitarbeiter in der Wirtschaftsabteilung der russischen Botschaft in Berlin. Finanziert wird die Kontaktstelle von sieben Mitgliedsunternehmen des Ost-Ausschusses – BAUER Kompressoren, Commerzbank AG, Ernst & Young GmbH, Herrenknecht AG, Schaeffler AG, Knauf Gips KG und SAP AG. „Die Stelle soll Informationen bündeln und kleinere und mittlere Unternehmen aus Deutschland bei ihrem Markteintritt in Russland unterstützen“, sagte Cordes.

Neben der Förderung des Mittelstandes in Russland forderte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende auch die völlige Beseitigung der Visa-Pflicht und die Schaffung einer Freihandelszone zwischen der EU und Russland. „Durch die WTO-Mitgliedschaft Russlands ist nun die Zeit gekommen, einen neuen Anlauf für ein Freihandelsabkommen zu starten.“ 

Geschäftschancen durch Fußball-WM und Olympia

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Unternehmerkongresses waren die anstehenden sportlichen Großereignissen in Russland wie die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 und die Fußball-WM 2018 und die damit verbundenen Chancen für deutsche Unternehmen. Als Gemeinschaftsprojekt von Germany Trade&Invest und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer gibt es dazu seit Herbst 2012 das Internet-Portal www.sport-russland.de, das über aktuelle Projekte und Ausschreibungen informiert. 

Neben dem Blick auf die Sportwirtschaft ging es in fünf weiteren Modernisierungsforen im Rahmen des Kongresses um die Themen Ressourcen, Energie und Energieeffizienz, Automobil- und Maschinenbau, um den Finanzsektor und um die Luft- und Raumfahrt. 

Andreas Metz,
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft