Gutes von besten Böden

21. Februar 2011

Deutsch-Ukrainischer Fachaustausch auf Fruit Logistica

Über Perspektiven für frisches Obst und Gemüse aus der Ukraine diskutierten Experten aus der Ukraine und Deutschland im Rahmen einer Ost-Ausschuss-Veranstaltung auf der Fruchthandelsmesse FRUIT LOGISTICA in Berlin. Gemeinsam mit dem Ukrainischen Agribusiness Club, dem Ersten Agrarcluster und der Messe Berlin versammelte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft rund 160 internationale Teilnehmer, unter ihnen eine zwanzigköpfige ukrainische Delegation.

Die Schwarzerdeböden in der Ukraine zählen zu den fruchtbarsten in der Welt, entsprechend haben die ukrainischen Obst- und Gemüseproduzenten für den europäischen Markt einiges anzubieten. Neben Zuckerrüben, Sonnenblumen und anderen Ölsaaten werden im Land jährlich rund 20 Millionen Tonnen Kartoffeln, etwa elf Millionen Tonnen Gemüse und rund 1,7 Millionen Tonnen Obst und Beeren produziert. Von besonderem Interesse für den deutsch-ukrainischen Handel sind Äpfel, Gurken und Tomaten, die in Deutschland stark und konstant nachgefragt werden. Um dieses Potenzial voll ausschöpfen zu können, so Alexej Lissitsa, Vorsitzender des Ukrainischen Agribusiness Clubs, müsste sich vor allem die EU bewegen. Strikte Importquoten und hohe Subventionszahlungen seitens der EU behinderten noch immer den beiderseitigen Handel.

Durch seine unmittelbare Nachbarschaft zur Europäischen Union ist die Ukraine in den vergangenen Jahren zum interessanten Produktions- und Handelspartner für Obst und Gemüse geworden. In diesem Zusammenhang gewinnen hochwertig arbeitende Erzeuger- und belastbare Lieferstrukturen, eine an EU-Standards ausgerichtete Qualitätssicherung und Produktzertifizierung stetig an Bedeutung. Das Erste Agrarcluster in der Region Tscherniwtzi hat sich dieser Entwicklung verschrieben. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft werden in der Region Lücken in der Kühl- und Logistikkette geschlossen. Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen eines gemeinsamen Projektes ein erstes Logistikzentrum etabliert, in dem frisches Obst und Gemüse auf die weitere Verwendung und den weiteren Transport vorbereitet wird. Landesweit besteht jedoch besonders im Bereich der Nach-Ernte-Prozesse sowie der Logistik und hier im Besonderen bei der Sicherstellung von lückenlosen Kühlketten noch ein großer Anpassungs- und Investitionsbedarf. Die Experten der International Financial Corporation (IFC) diagnostizieren einen Investitionsbedarf von rund 30 Milliarden US-Dollar in den nächsten zehn Jahren für diesen Bereich in der Ukraine.

Als weitere wichtige Zukunftsaufgabe wurde die Konsolidierung der Produktionsstrukturen bezeichnet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind die alten Kolchosstrukturen aufgelöst worden. Grund und Boden wurde in kleinen Parzellen an die Bauern weitergegeben. Derzeit sind 70 Prozent der Landwirtschaftsflächen bis zu 20 Hektar groß, 25 Prozent zwischen 20 und 100 Hektar und nur fünf Prozent sind 100 Hektar oder größer. Die ukrainischen Produzenten würden erheblich an Produktionseffizienz gewinnen, wenn sich die bisher eher kleinteilige Struktur in der Landwirtschaft zu überwiegend mittelgroßen und großen Einheiten, zum Beispiel Kooperativen, entwickelt. Erste Schritte zu einer effizienteren Landwirtschaft wurden im vergangenen Jahrzehnt bereits durch den vermehrte Einsatz moderner Produktionsmethoden und Technik unternommen.

Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, schloss die Veranstaltung mit einem positiven Blick auf die Zukunft der ukrainischen Obst- und Gemüsewirtschaft: „Die Entwicklung in der Ukraine ist positiv. Neue Produktionstechniken verbunden mit hervorragenden natürlichen Gegebenheiten machen die Ukraine zu einem idealen Partner in der Agrarwirtschaft“. Gemeinsam müssten nun ukrainische und deutsche Partner auf eine Intensivierung des Austausches hinarbeiten. „Der Ost-Ausschuss wird dabei auch weiterhin an der Seite der deutschen und ukrainischen Unternehmen stehen und nach Lösungen für die noch bestehenden Hindernisse suchen“, so Lindner.

Stefan Kägebein
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft