Geschäftsklima-Umfrage Russland

1. Dezember 2010

Deutsche Unternehmen rechnen 2011 mit Wirtschaftsaufschwung

Die deutschen Unternehmen in Russland blicken wieder deutlich optimistisch in die Zukunft. Dies zeigt die aktuelle Geschäftsklima-Umfrage des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), an der sich über 130 Unternehmen beteiligten. Für nahezu zwei Drittel der befragten Unternehmen ist bereits jetzt eine Erholung der russischen Wirtschaft spürbar. Vor einem Jahr lag dieser Wert nur bei zwölf Prozent.

87 Prozent rechnen im Laufe des kommenden Jahres mit einem weiteren Wirtschaftsaufschwung, nur 13 Prozent erwarten eine Stagnation. An eine Rückkehr der Krise in Russland glaubt kein Unternehmen. 65 Prozent der befragten Unternehmen planen Neueinstellungen, nur neun Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht.

Diese positive Entwicklung wird auch durch die bilateralen Handelszahlen zwischen Deutschland und Russland unterstrichen: In den ersten acht Monaten wuchs das Handelsvolumen um 30 Prozent auf 42 Milliarden Euro, dabei nahmen die deutschen Exporte nach Russland um 28 Prozent auf 18,8 Milliarden Euro zu, während die deutschen Importe um 30 Prozent auf 23 Milliarden Euro zulegten.

„Die Krise ist überwunden. Jetzt profitieren die deutschen Unternehmen in besonderem Maße davon, dass sie am Investitionsstandort Russland festgehalten haben“, sagte Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Moskau. „Allein die an der Umfrage beteiligten Firmen planen 2011 weitere 700 Millionen Euro in Russland zu investieren. Dies zeigt den hohen Stellenwert Russlands als Zukunftsmarkt für die deutsche Wirtschaft“, betonte Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK).

Eher skeptisch beurteilen die Unternehmen dabei die jüngsten Modernisierungsbemühungen der russischen Regierung. Während 41 Prozent der befragten Unternehmen erste Fortschritte erkennen können, tritt das Land nach Ansicht von mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) immer noch auf der Stelle. Sechs Prozent der Befragten sprechen sogar von Rückschritten. 16 Prozent der befragten Unternehmen könnten sich vorstellen, bei den in Russland geplanten Privatisierungen von Staatsunternehmen eine Rolle zu spielen, bei weiteren 32 Prozent der Befragten gibt es dazu vorsichtiges Interesse.

Die stärkste Dynamik in Russland erwarten die Unternehmen in der traditionell dominierenden Rohstoff- und Energiebranche, gefolgt von der Automobilindustrie, die derzeit kräftig von dem wieder einsetzenden Wachstum profitiert. Der größte Reformbedarf in Russland wird von den Unternehmen nach wie vor bei den Themen Bürokratieabbau, Korruption und Zoll- und Visafragen gesehen.

Zunehmend herausgefordert fühlen sich die deutschen Unternehmen in Russland durch die Konkurrenz aus China. Fast ein Viertel der Befragten sehen sich bereits heute stark bis sehr stark durch chinesische Anbieter unter Druck. Dies betrifft insbesondere Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus und der Bauwirtschaft. 39 Prozent sprechen von einem zunehmenden Druck durch chinesische Anbieter, während weitere 39 Prozent sich noch nicht herausgefordert sehen.

Die politischen und wirtschaftlichen Machtzentren Moskau und St. Peterburg liegen in der Gunst der deutschen Investoren weiterhin vorne. Gefragt nach den drei Regionen der Russischen Föderation mit dem besten Investitionsklima hat sich die russische Hauptstadt deutlich gegenüber der Konkurrenz durchgesetzt. St. Petersburg folgt auf Rang zwei, die Olympiaregion Krasnodar nimmt den dritten Rang ein. Weiterhin gute Bewertungen erhielten die Oblaste Swerdlowsk und Kaluga, sowie die Republik Tatarstan und das Moskauer Gebiet.

Die vollständige Auswertung der Umfrage finden Sie zum Download in der Spalte rechts.