Geschäftsklima in Russland hellt sich auf

15. Dezember 2009

Umfrage von Ost-Ausschuss und AHK unter 200 deutschen Unternehmen in Russland
In Russland hellt sich das Geschäftsklima unter deutschen Unternehmen wieder auf. Darauf deutet die aktuelle Geschäftsklima-Umfrage des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) hin, an der sich über 200 Unternehmen beteiligten. Für 17 Prozent der befragten Unternehmen ist bereits jetzt eine Erholung der russischen Wirtschaft spürbar. Vor sechs Monaten hatte dieser Wert nur bei sieben Prozent gelegen.

Weitere 40 Prozent rechnen im Laufe des kommenden Jahres mit einem Wirtschaftsaufschwung, 33 Prozent bleiben weiter skeptisch. Immerhin 48 Prozent der befragten Unternehmen planen Neueinstellungen, acht Prozent wollen Personal abbauen. Im Juni 2009 hatten dagegen nur 38 Prozent der Unternehmen Neueinstellungen geplant, zwölf Prozent wollten damals den Personalbestand reduzieren.

„Das Stimmungstief ist überwunden. Die deutschen Unternehmen in Russland versuchen sich nun für die beginnende Erholung in eine gute Position zu bringen“, sagte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner bei der Vorstellung der Umfrage in Moskau. „Allein die an der Umfrage beteiligten Firmen planen 2010 weitere 780 Millionen Euro in Russland zu investieren. Dies zeigt den hohen Stellenwert Russlands als Zukunftsmarkt für die deutsche Wirtschaft“, betonte Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK).

Die stärkste Dynamik in Russland erwarten die Unternehmen in der traditionell dominierenden Rohstoff- und Energiebranche, gefolgt von der Logistik, der Landwirtschaft und dem Einzelhandel. Eher schwach schneiden in der Umfrage die Zukunftsbranchen Gesundheitswirtschaft und die Erneuerbaren Energien ab. Der größte Reformbedarf in Russland wird von den Unternehmen bei den Themen Bürokratieabbau, Korruption und Zoll- und Visafragen gesehen.

Belastet wird die wirtschaftliche Lage der Unternehmen weiterhin durch Auftragsstornierungen. 46 Prozent der befragten deutschen Unternehmen geben an, dass sie erteilte Aufträge infolge der Finanzkrise verloren haben oder dass Aufträge fraglich geworden sind. Der Handelsumsatz zwischen Deutschland und Russland, der 2008 auf einen Rekordwert von 68,2 Milliarden Euro geklettert war, wird in diesem Jahr voraussichtlich um über 35 Prozent zurückgehen. Dies betrifft fast gleich stark sowohl den Export nach, als auch den Import aus Russland. Folgerichtig bewerten aktuell nur 20 Prozent der Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage mit gut oder sehr gut, während sich 22 Prozent in einer schlechten Lage sehen. Vor sechs Monaten hatten sich allerdings noch 31 Prozent der Unternehmen in einer schlechten Lage gesehen. Auch hier wird die einsetzende wirtschaftliche Erholung deutlich.

Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen erhalten insgesamt gute Noten:  85 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die allgemeinen Wirtschaftsbeziehungen mit sehr gut bis befriedigend. Nur 15 Prozent sehen erheblichen Verbesserungsbedarf. Von der neuen schwarz-gelben Koalition in Berlin erwarten die Unternehmen in der Russland-Politik positive Impulse: Während nur zwei Prozent der Unternehmen nach dem Regierungswechsel mit einer Verschlechterung des deutsch-russischen Verhältnisses rechnen, erwarten 22 Prozent der Unternehmen sogar eine Verbesserung.