Fleißige Deutsche, optimistische Russen

15. Oktober 2008

Aktuelle Meinungsumfragen zeigen positive Grundstimmung im deutsch-russischen Verhältnis

Deutschland ist das Land des Fleißes und der Sauberkeit – jedenfalls wenn es nach dem Urteil der meisten Russen geht. Deutsche wiederum sehen in Russland vorrangig ein Land mit enormen Bodenschätzen, das weltpolitisch eine wichtige Rolle spielt. Im Auftrag des Deutsch-Russischen Forums ermittelte das Institut für Demoskopie in Allensbach das aktuelle Russlandbild der Deutschen. Gleichzeitig begab sich das Lewada-Zentrum in Moskau auf die Suche nach dem Deutschlandbild in Russland.

55 Prozent der Deutschen und 78 Prozent der Russen, beurteilen die deutschrussischen Beziehungen aktuell als gut. Gleichzeitig aber fürchten 67 Prozent der Deutschen, dass Russland seine Energievorräte zur Durchsetzung politischer Ziele einsetzen könnte. 59 Prozent der Russen würden dies auch gerne tun. 62 Prozent der Deutschen sehen in Russland heute eine Weltmacht. Damit hat sich dieser Wert seit 2004 fast verdoppelt (38 Prozent). Anders als die Deutschen, die allenfalls den Iran (26 Prozent) und die Türkei (13 Prozent) als feindselige Länder empfinden, sehen sich Russen von einer Reihe von Ländern angefeindet. An erster Stelle steht Georgien (68 Prozent), gefolgt von den USA (65 Prozent), der Ukraine (50 Prozent) und Litauen (40 Prozent). Deutschland halten nur zwei Prozent der Russen für feindselig, umgekehrt sehen fünf Prozent der Deutschen in Russland ein feindseliges Land. Unter den Ländern mit denen Russen gerne zusammenarbeiten würden, hat Deutschland mit 51 Prozent weltweit die Nase vorn. Weißrussland kommt auf 50 Prozent und China auf 47 Prozent. In Deutschland sieht man Russland immerhin als fünftwichtigstes Partnerland (45 Prozent). Vorne liegen Frankreich (69 Prozent), die USA (56 Prozent), Großbritannien (53 Prozent) und Österreich (52 Prozent). Die Medienberichterstattung über Russland halten 13 Prozent der Deutschen für positiv, 19 Prozent für negativ und 61 Prozent für gemischt. Dagegen ist die Berichterstattung in Russland über Deutschland nach Ansicht von 56 Prozent der befragten Russen positiv, 27 Prozent halten sie für gemischt und neun Prozent für negativ. Bei der Frage nach den gegenseitigen Sympathien antworten 25 Prozent der Deutschen, dass sie Russen für sympathisch halten, 35 Prozent sehen Russen eher negativ, 40 Prozent sind indifferent. Bemängelt werden von deutschen vor allem die Korruption und die Kriminalität in Russland (80 bzw. 73 Prozent), das Auftreten der Neureichen (78 Prozent) und der Einfluss des Geheimdienstes (74 Prozent). Dagegen mögen 45 Prozent der befragten Russen die Deutschen, nur 27 Prozent sehen sie eher kritisch. Der bekannteste Russe in Deutschland ist Michail Gorbatschow (50 Prozent). Auf russischer Seite wird Adolf Hitler (20 Prozent) am häufigsten genannt, gefolgt von Goethe und Bach. Die Grundstimmung in Russland ist derzeit deutlich positiver als in Deutschland: 62 Prozent der Russen sehen der Zukunft mit Optimismus entgegen, in Deutschland sind es nur 40 Prozent. Bei den Skeptikern herrscht Gleichstand: Je 24 Prozent der Befragten in den beiden Ländern schauen mit Besorgnis in die Zukunft.

Die Umfrage in Deutschland, an der sich 1820 Befragte beteiligten, wurde im April 2008 durchgeführt und im August unter dem Eindruck der Kaukasus- Krise in Teilen wiederholt. Die Umfrage in Russland, an der sich dort 1602 Personen beteiligten, erfolgte im August.

Andreas Metz
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft