"Die besten Köpfe für die Landwirtschaft"

18. Januar 2010

Internationales Wirtschaftspodium im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA)

Es ist möglich, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und gleichzeitig dem Klimawandel zu begegnen. Zu diesem optimistischen Ergebnis kamen am Samstag, den 16. Januar, die Diskussionsteilnehmer des Internationalen Wirtschaftspodiums im Rahmen des Global Forums for Food and Agriculture. Das Podium wurden von Udo van Kampen, Leiter des Brüsseler ZDF-Studios, in der Akademie der Künste in Berlin moderiert.

Die Ernährung der Weltbevölkerung stellt Landwirtschaft und Ernährungsindustrie vor große Herausforderungen. Wenn die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf neun Milliarden steigt, wachsen damit auch global die Herausforderungen für Land- und Ernährungswirtschaft. Zugleich müssen sich Landwirte und lebensmittelherstellende Unternehmen den Auswirkungen der Klimaveränderungen stellen. Um diese Fragen anlässlich der Internationalen Grünen Woche in den Mittelpunkt zu rücken, hatten die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Deutschen Bauernverband (DBV), die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH zum Internationalen Wirtschaftspodium mit dem Titel „Limited Resources and Climate Change – Managing a Turbulent Future“ in die Akademie der Künste eingeladen.

Stellvertretend für alle fünf Träger führte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Mangold vor 250 Teilnehmern in die Thematik ein. Dabei hob er die besondere Rolle Osteuropas mit seinen großen und fruchtbaren Ackerflächen für die Sicherung der Welternährung hervor. Die AG Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss setze insbesondere auf eine Modernisierungspartnerschaft mit Russland, der Ukraine, Kasachstan, Rumänien und Bulgarien. "Mit diesem Engagement konnte die deutsche Wirtschaft zeigen, dass der Einsatz von modernen Agrartechnologien die Ernteerträge um bis zu 80 Prozent steigert", sagte Mangold. Allein in Russland könne bei konsequenter Anwendung der bestmöglichen Technik die Produktion von Getreide von 100 Millionen Tonnen jährlich auf 180 Millionen Tonnen zunehmen. "Dieser zusätzliche Ertrag würde bereits ausreichen, etwa 250 Millionen Menschen ein Jahr mit Brot zu versorgen."  Gleichzeitig könne dank moderner Anbaumethoden der Energieaufwand bei der Produktion deutlich gesenkt und so auch das Klima geschont werden, führte Mangold aus. "Höhere Erträge und damit eine bessere Versorgung der Weltbevölkerung bei gleichzeitiger Schonung von Ressourcen und Einsparung von Treibhausgasen – in Osteuropa zeigen wir modellhaft, dass dies machbar ist. "

Auch die danach folgenden Beiträge von sechs Experten zeigten, dass die Herausforderung, Ernährungssicherheit und Umweltschutz zu verbinden, gemeistert werden kann. Über die zu gehenden Wege gab es allerdings unterschiedliche Auffassungen.

In seinem Impulsreferat betonte der ehemalige deutsche Bundesumweltminister und frühere Exekutiv-Direktor des UN-Umweltprogramms Prof. Dr. Klaus Töpfer, dass es vor allem eine Aufgabe der Industrienationen sei, mit gutem Beispiel voranzuschreiten: „Wir müssen in Vorleistung treten und die nötigen technologischen und marktwirtschaftlichen Prozesse anstoßen“, betonte er. „Nur eine Welt, in der alle Menschen ausreichend zu essen haben, ist eine friedliche, stabile Welt“, so Töpfer, der auch Vizepräsident der Welthungerhilfe ist.

Dr. Thomas Blunck, Vorstandsmitglied der Rückversicherungsgesellschaft Munich Re, hob die Bedeutung einer finanziellen Absicherung der Klima- und Ernterisiken der Landwirte hervor. Nur durch das koordinierte Zusammenspiel von Landwirten, Versicherern und der öffentlichen Hand könne die Landwirtschaft in die Lage versetzt werden, die unkalkulierbaren Risiken und ihre Kosten zu tragen, so Blunck.

Die besten Köpfe müssen in die Landwirtschaft, forderte Prof. Dr. Friedrich Berschauer, Vorstandsvorsitzender von Bayer CropScience AG, der neben Cathrina Claas-Mühlhäuser, stellvertretende Vorsitzende des Gesellschafterausschusses des Landmaschinenherstellers Claas, Shri Surampudi Sivakumar, CEO von Agri-Business ITC Ltd. in Indien, und Dr. Thomas Kirchberg, Vorstandsmitglied der Südzucker AG und gleichzeitig Russland-Sprecher der AG Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss, zu den Diskutanten gehörte.

Vor allem Innovationen seien für die nötige Leistungs- und Ertragssteigerung erforderlich, um die wachsende Weltbevölkerung auch in 40 Jahren und darüber hinaus zu ernähren - hier herrschte weitgehende Einigkeit. Gleichzeitig müssen die Anbau- und Versorgungstechniken mehr denn je dem Aspekt der Nachhaltigkeit gerecht werden, um die immer knapper werdenden Ressourcen nicht zu überstrapazieren. Viele Diskussionsteilnehmer forderten zudem in der abschließenden Fragerunde, in der politischen und öffentlichen Diskussion die Land- und Ernährungswirtschaft  mit ihrem Nutzen für die Gesellschaft stärker und selbstbewusster darzustellen.