Deutsche Wirtschaft im Gespräch mit Putin

21. Oktober 2009

Spitzengespräch zwischen deutschen und russischen Unternehmern in Moskau

Die Abschwächung der Konjunktur in Russland schätzt die deutsche Wirtschaft als eine vorübergehende Entwicklung ein. Mittel- und langfristig wird Russland wieder an das Wachstum der früheren Jahre anknüpfen können und dabei auf eine stärkere Diversifizierung seiner Wirtschaft setzen. Dies war der Grundtenor bei den Gesprächen zwischen Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft und Ministerpräsident Wladimir Putin sowie zahlreichen Ministern der russischen Regierung am Mittwoch in Moskau.

Der insgesamt 16-köpfigen deutschen Delegation gehörten Vorstandsvorsitzende großer deutscher Unternehmen und herausragende Vertreter des deutschen Mittelstandes an. Die Delegationsreise wurde vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer organisiert und vom Vorsitzenden des Ost-Ausschusses Professor Dr. Klaus Mangold geleitet.

Das dreistündige Gespräch verlief außerordentlich konstruktiv und konzentrierte sich vor allem auf die Verstärkung der Zusammenarbeit im Bereich der Energie sowie auf die Modernisierung der russischen Wirtschaft. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten auch die Privatisierungspläne der russischen Regierung. Danach sollen in den nächsten Jahren etwa 5.500 russische Unternehmen privatisiert werden. Die deutsche Wirtschaft sucht hier die enge Zusammenarbeit mit der russischen Regierung und hat konkrete Vorschläge zur Umsetzung dieses Programms unterbreitet. „Die russische Seite hat ausgesprochen positiv auf unsere Vorschläge reagiert und wir sind überein gekommen, sehr bald einzelne Projekte gemeinsam umzusetzen“, teilte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Mangold im Anschluss an die Gespräche mit. Die deutsche Wirtschaft sehe insbesondere für den Mittelstand ein hohes Potential. „Dieses Programm könnte eine ideale Voraussetzung schaffen für mehr Technologietransfer und für mehr Mittelstand in Russland in der Verbindung mit deutschen Unternehmen“, sagte Mangold. In den Gesprächen ging es außerdem um die Verbesserung der russischen Infrastruktur und der Energie-Effizienz sowie um Zoll- und Visa-Fragen. Außerdem wurde der wichtige Bereich der Finanzierung von deutschen Anlagen und Ausrüstungsgütern für strategisch wichtige Projekte in Russland erörtert. Die deutsche Wirtschaft setzt sich zudem weiterhin für einen baldigen Beitritt Russlands zur WTO ein. „Wir begrüßen die neue Position Russlands, die WTO-Verhandlungen wieder in Unabhängigkeit und allein zu führen“, erklärte Mangold in Moskau. An den Vorbereitungen zur Zollunion zwischen Russland, Belarus und Kasachstan werde unabhängig davon festgehalten.

Die Vertreter der deutschen Wirtschaft, darunter elf Vorstandsvorsitzende von DAX-Unternehmen, trafen außerdem zu einer Gesprächsrunde mit russischen Unternehmern zusammen. Die Diskussion wurde geleitet von German Gref, Vorsitzender des Vorstandes der Sberbank und Professor Dr. Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Auch hier ging es im Wesentlichen um Fragen der Modernisierung der russischen Wirtschaft, der Situation auf den Energiemärkten und den Aufbau des Mittelstandes in Russland.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft führt jährlich eine Vielzahl von Projekten, Informationsveranstaltungen, Unternehmerreisen und Konferenzen in und über 22 Länder Mittel- und Osteuropas durch. Die Organisation mit Sitz in Berlin versteht sich als Kompetenzcenter der deutschen Wirtschaft für die osteuropäischen und zentralasiatischen Zukunftsmärkte. Dem Ost-Ausschuss gehören über 120 größere und mittelständische Unternehmen sowie große Wirtschaftsverbände an.