Deutsche Unternehmen in Russland trotzen der Krise

11. Dezember 2008

Geschäftsklima überraschend robust / Mehrheit der Unternehmen plant Einstellungen und Investitionen

„Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen in Russland ist trotz der Finanzkrise vorläufig gut. Die befragten Unternehmen rechnen zwar definitiv mit einer Eintrübung, halten aber mehrheitlich an Investitionsplänen in Russland fest und stellen weiter Personal ein.“Mit diesen Worten fasste Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, die Ergebnisse einer aktuellen Konjunkturumfrage zusammen, die der Ost-Ausschuss gemeinsam mit der  Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer im November 2008 durchführte. Über 150 deutsche Unternehmen in Russland haben sich beteiligt.

 „Russland bleibt weltweit weiterhin ein entscheidender Wachstumsmarkt für deutsche Unternehmen“, kommentierte Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), die Ergebnisse. 67 Prozent der befragten Firmen bewerten die derzeitige Geschäftslage des eigenen Unternehmens mit gut bis sehr gut (2007: 83 Prozent). Allerdings ist die  Finanzkrise bereits spürbar: 69 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine Belastung ihres Geschäfts durch deren Folgen. Doch 46 Prozent der Unternehmen rechnen in den nächsten zwölf Monaten bereits wieder mit einer Verbesserung des Geschäftsklimas. Nur 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung.

Entsprechend hoch ist die Zahl der Unternehmen, die ihre Aktivitäten verstärken wollen:
66 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihr Personal aufstocken und immerhin 62 Prozent  planen auch in den nächsten Monaten Investitionen in Russland. Allein die befragten 153 deutschen Unternehmen planen 2009 Gesamtinvestitionen von  870 Millionen Euro in die russische Wirtschaft. Hauptsächlich soll in die Bereiche Energie, Automobilindustrie und in den Groß- und Einzelhandel investiert werden. 

Die deutschen Unternehmen setzen in ihrer Russlandstrategie verstärkt auf die Regionen. Das größte Wachstumspotenzial sehen die befragten Unternehmen in der Region Krasnodar, die sich bei den Geschäftserwartungen vor den Ballungszentren St. Petersburg und Moskau platzieren konnte. Insbesondere die Bauvorhaben im Zuge der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi beflügeln die Hoffnungen der Unternehmen. Sowohl der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft mit seiner Arbeitsgruppe „Sotschi 2014“ als auch die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer mit dem Sotschi-Desk unterstützen die deutschen Unternehmen gezielt bei ihren Aktivitäten. Auch Sibirien, die Nord-West-Regionen sowie die Regionen Zentralrusslands stehen hoch im Kurs. 

Die Attraktivität des russischen Marktes wird von den Unternehmen insbesondere mit hohen Wachstums- und Gewinnchancen, dem attraktiven Konsumverhalten des russischen Verbrauchers und den günstigen Kostenstrukturen begründet. Laut der Umfrage erhoffen sich die deutschen Unternehmen aber weitere Reformschritte der russischen Regierung beim Abbau von Bürokratie, beim Zoll, der Harmonisierung von Standards und Normen und beim Aufbau eines starken russischen Mittelstandes.

Der Handelsumsatz zwischen Deutschland und Russland steuert in diesem Jahr auf einen neuen Rekord zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde von Januar bis September 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Zuwachs von 27,3 Prozent auf 51,8 Milliarden Euro erzielt. Die deutschen Exporte nach Russland stiegen um 20,4 Prozent, die Importe erhöhten sich um 28,5 Prozent.