Davos für die Agrarwirtschaft

2. März 2009

Die Grüne Woche in Berlin entwickelt sich zu einer internationalen
Dialogplattform

Dass die Internationale Grüne Woche mehr ist als eine reine Konsum- und Verbrauchermesse, ist bereits in vergangener Zeit immer deutlicher geworden. Informative und hochrangig besetzte Fachforen ergänzen die Messe seit vielen Jahren.

Höhepunkt des diesjährigen Forum Internationale Grüne Woche war der erstmals durchgeführte Berliner Agrarministergipfel, zu dem auf Einladung der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Landwirtschaftsminister aus fast 30 Ländern, darunter Russland, Ukraine, China und Indonesien im Schloss Charlottenburg zusammengekommen waren. Ein zentrales Thema war hierbei die Forderung nach globaler Kooperation von Politik, Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Zivilgesellschaft.
Mit dem Internationalen Forum der Agrar- und Ernährungswirtschaft (IFAE) hat der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit Partnern erstmalig ein neues hochkarätiges Format geschaffen, dessen Veranstaltungen durch drei zentrale Themen bestimmt wurden – die Sicherstellung der Welternährung, die Lösung der Energiefrage und die Reduzierung der negativen Auswirkungen des Klimawandels. Besonders diesem Thema widmete sich auch die Plenarveranstaltung des IFAE „Welternährung 2020 – innovative Lösungen bei begrenzten Ressourcen“ und führte Gedanken der Agrarministerkonferenz aus wirtschaftlicher Perspektive weiter.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, eine vorausschauende Zusammenarbeit zu fördern und gemeinsam über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Daher nutzte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft die Präsenz zahlreicher Landwirtschaftsminister aus Osteuropa auf der Grünen Woche für die Durchführung von hochrangigen Regionalforen zur Ukraine, Moldau sowie Rumänien und Bulgarien (siehe weiteren Bericht).

Im Zentrum des Ukraine-Forums des Ost-Ausschusses standen dabei Strategien zur Entwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft in der Ukraine. Hochrangige Vertreter beider Länder aus Politik und Wirtschaft erörterten dabei politische Konzepte und unternehmerische Ansätze zur Steigerung der Agrarproduktion. Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses betonte, dass Europa mit besonderem Interesse auf die Ukraine schaue und zeigte am Beispiel des Zuckerhandels die historische Bedeutung des Landes im Agrarbereich. Serhyj Federenko, Präsident der UkrRos Group, ergänzte mit Ausführungen über die aktuelle Situation auf dem ukrainischen Zuckermarkt. So habe, verbunden mit einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Branche, die Zahl an Zuckerfabriken stark abgenommen. Die momentane schwierige Lage im Finanzsektor der Ukraine schilderte der Geschäftsführer für Zentral- und Osteuropa in der Deutschen Bank AG, Peter Tils, und wies besonders auf veränderte Rahmenbedingungen bei der Vergabe von Krediten hin. Eine Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten im Agrarsektor sei wichtiger denn je, so der ukrainische Landwirtschaftsminister Jurij Mel’nyk, damit sein Land einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung der Welternährung leisten könne.

Erfolgsgeschichten, die aus der Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft resultieren, wurden auf dem Forum „Praxisnahe Kooperationsprojekte – Ein Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung“ vorgestellt. Ebenso konnte im Rahmen der Grünen Woche ein Memorandum zwischen dem kirgisischen Landwirtschaftsministerium, Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft, der GTZ und der DLG unter der Schirmherrschaft des Ost-Ausschusses unterzeichnet werden. Es hat eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Beratung von landwirtschaftlichen Unternehmen, der Weiterqualifizierung von Fach- und Führungskräften in der Agrarwirtschaft sowie der Förderung der Mechanisierung im Agrarsektor zum Ziel.

Gerlinde Sauer, Christoph Gilgen
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft