Das Jahr 2008: Gutes Frühjahr, trüber Herbst

15. Dezember 2008

Für die deutsche Wirtschaft brachte das Jahr 2008 ein Wechselbad der Gefühle: Noch einmal wird Deutschland seinen Status als Exportweltmeister verteidigen können. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem Handel mit den  steuropäischen Staaten. So stiegen die deutschen Exporte in diese Region im ersten Halbjahr 2008 noch einmal um 15,6 Prozent auf 84 Milliarden Euro, gegenüber einer allgemeinen Steigerung von 6,9 Prozent.

Bis zum Oktober konnte die Schwäche im Westen durch Wachstumsimpulse aus dem östlichen Europa kompensiert werden. Doch spätestens durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers rutschte auch Osteuropa mitten in die Weltfinanzkrise hinein: Ausländische Banken und Inves-toren zogen im großen Umfang Geld ab, der Kreditmarkt trocknete aus, die Güternachfrage aus dem Westen ging zurück und die Preise für Öl, Stahl und Immobilien sanken deutlich.

Die Auswirkungen sind erheblich: Eine Reihe von Währungen hat stark an Wert verloren. Im Baltikum droht Estland und Lettland eine Rezession. Die Ukraine bat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Finanzhilfen in Höhe von 13 Milliarden Euro. Das Rettungspaket von IWF, Weltbank und EU für Ungarn hat sogar einen Umfang von 20 Milliarden Euro. Auch Weißrussland beantragte IWF-Hilfen. Weitere Länder könnten folgen.

Bei einigen in Russland engagierten Unternehmen wurden Erinnerungen an die Finanzkrise von 1998 wach. Die russische Wirtschaft hatte damals eine handfeste Krise, der Rubel verlor drastisch an Wert, der Staat konnte über Monate keine Löhne und Renten mehr auszahlen. Viele westliche Firmen zogen sich aus dem russischen Markt zurück, aber gerade deutsche Unternehmen hielten 1998 Russland die Treue – eine Entscheidung, die sich ausgezahlt hat. Russland ist heute dank großer Währungsreserven in der Lage, seine Wirtschaft selbst zu stabilisieren. Rund 200 Milliarden Dollar stellte der russische Staat bislang zur Verfügung.

Überhaupt sollten wir uns in dieser Krise daran erinnern, wo die osteuropäischen Staaten vor nicht einmal einem Jahrzehnt noch standen. Die EU-Mitgliedschaft von Ländern wie Rumänien und Bulgarien erweist sich jetzt als Stabilitätsanker. Auch 2008 gab es bedeutende Reformschritte: Serbien hat die Lähmung durch die Kosovo-Frage überwunden und nähert sich der EU an. Weißrussland hat wichtige Schritte zur Privatisierung von Staatsunterneh-men gemacht. Aserbaidschan und Albanien wurden von der Weltbank zu Reformchampions 2008 gekürt. Zuletzt einigten sich die EU und Russland nach einem konfliktreichen Sommer auf die Wiederaufnahme von Verhandlungen über ein neues Partnerschafts- und Kooperationsabkommen.

In der Krise gibt es also Lichtblicke: Der Wille, Wirtschaftsreformen umzusetzen und inter-national zusammenzuarbeiten, ist gestiegen. Nur gemeinsam lassen sich die Probleme lösen. Der Ost-Ausschuss wird gerade in dieser schwierigen Zeit verstärkt Brücken zwischen Wirtschaft und Politik und zwischen Ost und West bauen und geht mit seinem neuen Geschäftsführer, Prof. Dr. Rainer Lindner, und frischem Schwung in das Jahr 2009.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches neues Jahr!

Prof. Dr. Klaus Mangold
Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft