Westbalkan-Gipfel in Triest stärkt regionale Zusammenarbeit

13. Juli 2017

Harms: Wichtiger Schritt zu wirtschaftlicher Integration der Länder des Westlichen Balkans/ Ost-Ausschuss unterstützt Pläne für IT-Gipfel

Unter Teilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der wichtigsten Regierungsvertreter aus sechs Westbalkan-Staaten, Frankreich und Italien fand am 12. Juli im italienischen Triest der vierte Westbalkan-Gipfel statt. Seit der ersten Konferenz 2014 in Berlin engagiert sich der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft für diese Initiative, die zu einer engeren Anbindung der sechs beteiligten Westbalkan-Länder an die EU und zu einer verstärkten wirtschaftlichen Kooperation in der Region beitragen soll.

„In einer Zeit, in der nationale Alleingänge und protektionistische Ideen in Mode zu kommen drohen, unterstreicht der Westbalkan-Gipfel das große wirtschaftliche Potenzial der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Triest ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zur stärkeren Integration dieses regionalen Wirtschaftsraums mit 20 Millionen Einwohnern“, sagte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms. Zugleich begrüßt Harms die in der Abschlusserklärung von Triest gesetzten Schwerpunkte für den weiteren Weg der europäischen Integration und die Vertiefung der regionalen Kooperation.

Wichtige Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der Region sei die weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen. „Dazu gehören transparente Verwaltungsverfahren, der Abbau von Handelsbarrieren und Korruption, die stärkere Unterstützung kleinerer und mittlerer Unternehmen sowie die praxisnahe Gestaltung der Bildungssysteme. Nur so kann das große Potenzial der jungen Bevölkerung adäquat genutzt und insbesondere der hohen Jugendarbeitslosigkeit entgegengewirkt werden“, sagte Harms „Es ist gut, dass der Gipfel von Triest diese Themen in den Mittelpunkt gestellt hat.“ Ausdrücklich begrüßt Harms die Pläne zur Organisation eines speziellen IT-Gipfels für die Westbalkan-Region, um der Wirtschaftsentwicklung einen zusätzlichen Schub zu geben. „Der Ost-Ausschuss wird sich mit seinen Mitgliedsunternehmen und dem Arbeitskreis Digitalisierung aktiv in die Gestaltung dieses IT-Gipfels einbringen.“

Harms lobte zudem die Eröffnung einer zentralen Anlaufstelle für internationale Investoren für die ganze Westbalkan-Region in Triest. Dieses neue Generalsekretariat wird vom „Chambers Investment Forum“, einem Verbund der Industrie- und Handelskammern von Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien getragen. Bereits 2015 hatten die Wirtschaftskammern auf Initiative der kosovarischen und serbischen Wirtschaftskammer mit dem „Chambers Investment Forum“ eine gemeinsame Plattform für den wirtschaftlichen Austausch in der Region gegründet. „Es ist bemerkenswert, dass bei diesem Integrationsprozess insbesondere die Wirtschaftskammern Serbiens und des Kosovo intensiv und freundschaftlich zusammenarbeiten“, betonte Harms. „Dies zeigt eindrucksvoll, dass gemeinsame wirtschaftliche Projekte eine Verständigung über Grenzen erleichtern.“

Stipendienprogramm für den Westbalkan

Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt engagiert sich der Ost-Ausschuss in der Region mit dem Zoran Djindjic Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans. Im Rahmen des Programms absolvieren mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) jährlich zwischen 50 und 70 Stipendiaten eine mehrmonatige praxisorientierte Aus- und Weiterbildung in Unternehmen in Deutschland. Seit 2003 haben über 600 Stipendiaten dieses Programm durchlaufen. Viele von ihnen sind heute in Tochterunternehmen deutscher Unternehmen, anderer internationaler Unternehmen sowie in Führungspositionen von Wirtschaft und Politik in den Ländern angestellt. Das Stipendienprogramm trägt zur Verbesserung der Ausbildung in der Region bei, fördert die grenzüberschreitende Verständigung und internationale Geschäftsbeziehungen.

Im Rahmen des „Berlin Prozesses“ – so benannt nach dem ersten Austragungsort des Westbalkan-Gipfels – hat der Ost-Ausschuss unter anderem gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Montenegros bereits zwei regionale Wirtschaftskonferenzen organisiert. Hinzu kommen zahlreiche weitere Formate wie eine Delegationsreise nach Pristina und Belgrad, um an die bestehenden Gespräche in der Region anzuknüpfen sowie regionale Initiativen in diesem Zusammenhang vorzustellen. Zudem unterstützt der Ost-Ausschuss eine von der Bundesregierung finanzierte und vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) umgesetzte Einkaufsinitiative, über die Unternehmen der Region in internationale Lieferketten eingebunden werden.

EU wichtigster Wirtschaftspartner

Die Westbalkan-Länder sind bereits heute stark auf die EU hin orientiert, mit der sie mehr als 50 Prozent ihres Außenhandels bestreiten. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Region, der bilaterale Warenaustausch mit den sechs Westbalkanstaaten lag 2016 bei rund neun Milliarden Euro, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber 2015. Dabei ist die Bilanz der Importe und Exporte nahezu ausgeglichen.