Positive Signale in Tirana

1. Februar 2018

Besuch einer Ost-Ausschuss-Delegation in Albanien/ Gespräch mit Premierminister Rama

Am 31. Januar und 1. Februar reiste Ost-Ausschuss Geschäftsführer Michael Harms zu Gesprächen nach Albanien. Begleitet wurde er von elf Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Schwerpunkte des Besuchs waren Gespräche mit Premierminister Edi Rama sowie dem Minister für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit und Soziales Arben Ahmetaj und dem Minister für Infrastruktur und Energie Damian Gjiknuri.

Klar auf Kurs Europa

Wie groß das Interesse der albanischen Regierung an einem Dialog mit der deutschen Wirtschaft ist, zeigte sich im Gespräch mit Premierminister Rama, der das ursprünglich für eine Stunde angesetztes Gespräch erst nach zwei Stunden verließ, um an den Minister Ahmetaj zu übergeben. Rama unterstrich in seiner Begrüßung, das Albanien sich klar auf einem pro-europäischen Kurs befände. Man hoffe sehr, dass es noch im ersten Halbjahr zur Eröffnung der Beitrittsverhandlungen mit der EU komme. Von besonderer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist die Diversifizierung des Energiesektors. Dabei spielt der Bau der Transadriatischen Pipeline (TAP) eine wesentliche Rolle.

Zugleich steht die albanische Regierung vor großen Herausforderungen was die Perspektiven der Jugend im Land anbelangt. Bei 29 Prozent liegt aktuell der Anteil der Jugendarbeitslosigkeit. Bereits seit längerer Zeit unterstützt die albanische Regierung Bemühungen, eine praxisorientierte Ausbildung zu etablieren. Im Bereich der beruflichen Bildung setze man auf das Vorbild der deutschen dualen Ausbildung. Gleichzeitig kämpfe man aber mit einem weiteren Problem – der Abwanderung qualifizierter Fachkräfte ins Ausland. Auch hier arbeite man an Konzepten den sogenannten „Brain drain“ zu stoppen und im Ausland lebende Fachkräfte wieder ins Land zu locken. Harms sowie die anwesenden Unternehmensvertreter unterstrichen in ihren Wortbeiträgen, wie wichtig die Verlässlichkeit der rechtlichen Rahmenbedingungen und auch die Gleichbehandlung aller Investoren sind. Die bereits angegangenen Reformen seien positive Signale. In den Gesprächen mit den Fachministern nutzten die Unternehmen die Gelegenheit, spezifische Themen aber auch Probleme anzusprechen.

Empfang in der deutschen Botschaft

Abgerundet wurde das Programm des ersten Tages durch den Empfang in der Residenz der deutschen Botschafterin in Tirana Susanne Schütz anlässlich des Besuchs der Ost-Ausschuss-Delegation, der noch einmal eine hervorragende Gelegenheit bot mit weiteren Regierungsvertretern sowie albanischen und deutschen Unternehmen ins Gespräch zu kommen.

Tag zwei startet mit einem Gespräch mit der Präsidentin der Union der Wirtschaftskammern Albaniens, die sieben albanischen Unternehmensvertreter hinzugebeten hatte. Auch dieses Gespräch bot die Gelegenheit zum Austausch über Erfahrungen aus Sicht inländischer Investoren. Ein wichtiger Baustein der Reise war die Besichtigung des Containerterminals im Hafen Dures, das ebenso wie das Fährterminal durch einen deutschen Investor geführt wird.

Albanien ist mit einem Warenaustausch von knapp 370 Millionen Euro im Jahr 2017 ein vergleichsweise kleiner Handelspartner für deutsche Unternehmen. Gleichwohl hat das Land Potenzial gerade im Hinblick auf die Kooperation mit den Nachbarländern. So ist die albanische Regierung stark an der weiteren Verbesserung der Beziehungen insbesondere mit Serbien interessiert und bringt sich aktiv im sogenannten „Berlin Prozess“ ein, in dessen Rahmen auf dem Gipfel 2017 in Triest die sechs Länder des sogenannten Westbalkan eine Road map zur Entwicklung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes verabschiedet haben.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft