Ost-Ausschuss-Vorsitzender Büchele führt hochrangige Gespräche in Moskau

12. Mai 2017

Treffen am 15./16. Mai mit Vize-Premier Schuwalow und Wirtschaftsminister Oreschkin/ Pilotvereinbarung zur deutsch-russischen Mittelstandsförderung/ Deutsch-russischer Handel legt sprunghaft zu

Am 15. und 16. Mai 2017 reist der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft Wolfgang Büchele zusammen mit Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms zu hochrangigen Treffen nach Moskau. Auf dem Programm stehen unter anderem Begegnungen mit dem Ersten Vize-Premierminister Igor Schuwalow, dem Minister für wirtschaftliche Entwicklung Maxim Oreschkin sowie mit Repräsentanten deutscher Unternehmen in Russland. Schwerpunkte der Gespräche sind die Themen Lokalisierung und Mittelstandsförderung

„Im Kern geht es darum, dass ausländische Investoren in Russland mit einheimischen Produzenten gleichgestellt werden und gleichberechtigte Zugänge zu staatlichen Ausschreibungen und Förderprogrammen erhalten“, erklärt Ost-Ausschuss-Vorsitzender Büchele den Hintergrund der Gespräche. Die russische Regierung hatte im Zuge der Wirtschaftssanktionen ihre Anforderungen an ausländische Unternehmen zur Importsubstitution und Lokalisierung von Produktion in Russland verschärft und damit ausländische Wettbewerber gegenüber einheimischen Produzenten stärker benachteiligt. Daraufhin hatte im Herbst 2016 der Ost-Ausschuss zusammen mit der AHK Moskau ein Positionspapier zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen deutscher Investoren in Russland vorgelegt. „Wir sind sehr froh darüber, dass sich über unsere Vorschläge ein sehr intensiver Dialog mit verschiedenen russischen Ministerien entwickelt hat.“ Ziel sei es beispielsweise, dass eine Anerkennung als lokaler Produzent nicht einzeln für jedes Produkt beantragt werden müsse, sondern diese für das gesamte Produktportfolio einer Firma gelte (Firmenprinzip anstelle von Produktprinzip). „Dies erhöht den Anreiz zu Investitionen in Russland, treibt die Modernisierung der russischen Wirtschaft voran und kommt in Form besserer Produkte auch den russischen Verbrauchern zugute“, so Büchele.

Pilotprojekt zur Qualifizierung des russischen Mittelstands

Büchele unterstreicht die Bereitschaft der deutschen Wirtschaft an der Modernisierung Russlands mitzuwirken und dort mittelständische Zulieferstrukturen für deutsche Produzenten zu entwickeln. Zu diesem Zweck wird der Ost-Ausschuss im Rahmen der Moskau-Reise eine Kooperationsvereinbarung mit der russischen „Föderalen Korporation zur Förderung kleinerer und mittlerer Unternehmen MSP“ unterzeichnen. Dritter Partner der Vereinbarung ist das Dortmunder Unternehmen Wilo SE. Der Pumpenhersteller eröffnete im Sommer 2016 ein 35-Millionen-Euro teures Werk in der russischen Stadt Noginsk. Für diese Produktionsstätte wird Wilo nun ausgewählte russische Zulieferer gezielt weiterqualifizieren.

„Dieses Pilotprojekt soll Schule machen“, erklärte dazu Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses. „Es wurde in den vergangenen Monaten ein Kriterienkatalog deutscher Unternehmen für lokale Zulieferbetriebe zusammengestellt, der klare Qualitätsstandards definiert. Auf dieser Basis entstehen nun Qualifizierungspartnerschaften zwischen deutschen Unternehmen und geeigneten russischen Mittelständlern.“ Ziel sei es, den russischen Mittelstand insgesamt wettbewerbsfähiger aufzustellen.

Wirtschaftsaussichten hellen sich auf

Die Moskau-Reise findet in einem freundlicheren gesamtwirtschaftlichen Umfeld statt: Die russische Wirtschaft hat ihre Talsohle durchschritten. Nach drei Jahren stetigen Rückgangs, ist der deutsch-russische Handel in den ersten beiden Monaten 2017 sprunghaft angestiegen. Die deutschen Exporte kletterten nach den vom Ost-Ausschuss ausgewerteten Zahlen des Statistischen Bundesamts im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 36 Prozent auf vier Milliarden Euro, die deutschen Einfuhren aus Russland nahmen um 38 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu.

„Die deutsche Wirtschaft hat sich mit den Sanktionen arrangiert. Sie hat begonnen, stärker in Russland zu investieren, um auch von den Lohnkostenvorteilen im Zuge des günstigen Rubels zu profitieren“, sagte Ost-Ausschuss-Vorsitzender Büchele anlässlich seiner Reise. „Es zahlt sich nun aus, dass wir den Dialog auch in schwierigen Zeiten nicht haben abreißen lassen. Wir hoffen, dass diese Vertrauensbasis auch zu einer stärkeren politischen Wiederannäherung beiträgt.“