Ost-Ausschuss-Delegation in Zagreb

28. Februar 2017

Gespräche mit Regierung und Wirtschaftsakteuren/ Vertreter der neuen Regierung informierten über Reformpläne

Ende Februar 2017 reiste eine Ost-Ausschuss-Delegation unter Leitung von Janusz Kulik, Sprecher des Länderkreises Südosteuropa im Ost-Ausschuss und Member of the Board der REWE International AG, zu Gesprächen mit der kroatischen Regierung nach Zagreb. Dort traf die Delegation, der Unternehmensvertreter unter anderem aus Handel, IT und Telekommunikation, Infrastruktur sowie Energie angehörten, mit der Vize-Premierministerin und Ministerin für Wirtschaft und Unternehmertum Martina Dalic zusammen, um sich über die aktuellen Prioritäten der neuen kroatischen Regierung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu informieren.

Kroatien hat seit Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 einen schweren Weg hinter sich. Erst seit 2015 sind die Wirtschaftsindikatoren wieder positiv. 2016 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,3 Prozent gestiegen sein, für 2017 wird ein Plus von zwei Prozent prognostiziert. Externe Faktoren, wie etwa die komplexen Entwicklungen in Europa, bestimmen laut Vize-Premier Dalic die Entwicklung des Landes, und die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise lassen erst jetzt die Effekte des EU-Beitritts sichtbar werden. Nach den politischen Turbulenzen des Vorjahres müsse sich die Regierung nun den notwendigen Strukturreformen stellen. Eine Steuerreform sei ein erster Schritt in diese Richtung. Ziel des Wirtschaftsministeriums sei die weitere Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds, wobei die Senkung administrativer und regulatorischer Kosten von zentraler Bedeutung sei.

Rekord im bilateralen Handel

Länderkreissprecher Kulik unterstrich für die Delegation die Bedeutung der Reformbemühungen und betonte, dass deutsche Investoren keine kurzfristige Perspektive hätten und deshalb Stabilität, Rechtssicherheit und Verlässlichkeit bei der Steuergesetzgebung von besonderer Wichtigkeit seien. Ausdruck der guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kroatien und Deutschland seien die beindruckenden Zahlen beim bilateralen Warenaustausch, der 2016 mit 4,3 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht und gegenüber dem Vorjahr um mehr als 13 Prozent zugelegt habe.

Weitere Termine hatte die Delegation, die vom deutschen Botschafter in Zagreb Thomas E. Schultze sowie dem Geschäftsführer der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer (DKIHK) Gunther Neubert begleitet wurde, mit dem Wirtschaftsberater der kroatischen Präsidentin Marko Jurcic und dem Vizepräsidenten der kroatischen Wirtschaftskammer Zelimir Kramaric. Im Rahmen eines Mittagessens traf die Ost-Ausschuss-Delegation zudem mit den Mitgliedern des erweiterten Vorstandes der DKIHK zusammen. In einem Gespräch mit Vertretern der kroatischen Telekom hatten die Delegationsteilnehmer zudem Gelegenheit, sich über die Potenziale Kroatiens im Bereich und über aktuelle Projekte im Bereich Energie und kommunale Infrastruktur zu informieren und auszutauschen.

Kroatien, so das Fazit der Reise, befindet sich auf einem Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung und bietet Unternehmen vielfältige Möglichkeiten für ein Engagement. Wichtig dafür sind weitere gemeinsame Anstrengungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung von jungen Fachkräften, ob in der beruflichen Bildung oder der engeren Verzahnung von universitärer Ausbildung und praktischen Erfahrungen. Dieses Thema wird weit oben auf der Agenda des Deutsch-Kroatischen Wirtschaftsforums stehen, das von Vizepräsident Kramaric im Gespräch mit der Delegation angeregt wurde und auf ein positives Echo der DKIHK und des Ost-Ausschusses stieß.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft