Neuer Aufwind in Usbekistan?

10. März 2017

Briefing Usbekistan in Frankfurt zu aktuellen Entwicklungen nach der Präsidentenwahl

Auf einem Usbekistan-Briefing in Frankfurt am Main vermittelte der Ost-Ausschuss im März 2017 gemeinsam mit der Commerzbank einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen und Potenziale in dem Land. Nach dem Machtwechsel Ende 2016 ist das Interesse deutscher Unternehmen noch einmal gewachsen. Schließlich hat das Land einen großen Modernisierungs- und Investitionsbedarf und liegt am Knotenpunkt zwischen Europa und Asien an der neuen Seidenstraße.

Usbekistan war schon in den vergangenen Jahren ein ambivalentes Ziel für deutsche Unternehmen. Das Land bietet zahlreiche Chancen. Die Industrie und die Infrastruktur müssen dringend modernisiert werden. Zahlreiche Branchen und Sektoren benötigen neue Investitionen und vor allem neue Technologien zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Wie seine Nachbarn liegt das Land im Knotenpunkt zwischen Europa und Asien und kann von den chinesischen Plänen einer neuen Seidenstraße (One Belt - One Road, OBOR) profitieren. All dies eröffnet Chancen für die deutsche Wirtschaft. Dass deutsche Unternehmen in Usbekistan gute Geschäfte machen können, ist keine Frage.

Unbestritten ist allerdings auch, dass die Rahmenbedingungen in dem Land bei weitem nicht dem gewohnten westlichen Standard entsprechen. Dies gilt für den starken staatlichen Einfluss, für die administrativen Herausforderungen, für Exportbeschränkungen und natürlich für das Konvertierungsproblem. Die eingeschränkte Konvertierbarkeit der usbekischen Währung ist ein ständiges Hindernis für ausländische Investoren und betrifft sowohl kleine als auch große Unternehmen.

Regierung muss noch liefern

Es ist daher verständlich, dass das Interesse an Usbekistan nach dem Machtwechsel in dem Land Ende 2016 noch einmal gewachsen ist. Rund 80 Unternehmensvertreter fanden sich in Frankfurt am Main ein, um sich aus erster Hand zu informieren. Bodo Thöns, Repräsentanzleiter der Commerzbank in Taschkent, gab zunächst einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation und die Reformvorhaben der usbekischen Regierung. Neue oder erweiterte Investitionsprogramme, die Stärkung des Dialogs mit der Bevölkerung sowie die regionale Kooperation stehen auf der Habenseite der Reformen. Gleichzeitig sind die wichtigsten Punkte wie der Übergang zur freien Konvertierbarkeit noch nicht ausgearbeitet. Hier muss die Regierung noch liefern.

Dass ein Engagement in dem Land bereits jetzt möglich ist, stellten die Vertreter der Unternehmen Claas und DEG vor. Claas produziert in Usbekistan in einem gemeinsamen Unternehmen unter anderem Mähdrescher für die Baumwohlernte. Die DEG beteiligt sich an vier unterschiedlichen Projekte in dem Land, ist aber für ein stärkeres Engagement offen. Für beide Unternehmen steht fest, dass das Engagement in Usbekistan nicht ohne Herausforderung ist, sich aber auch auszahlt.

Eduard Kinsbruner
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft