Besuch in Sofia

7. September 2017

Länderkreis Südosteuropa traf sich erstmals in Sofia/ Gespräch mit Wirtschaftsminister Karanikolov

Am 7. September 2017 lud der Ost-Ausschuss zum dritten Mal zur Sitzung des Länderkreises Südosteuropa ein. Unter Leitung von Januz Kulik (REWE International), dem Sprecher des Länderkreises, traf man sich erstmals in Sofia. Kombiniert wurde der Besuch in Sofia mit einem Arbeitsfrühstück mit Wirtschaftsminister Emil Karanikolov, der über die aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen Bulgariens berichtete. Zentral seien Themen wie Bürokratieabbau, wo man bereits Maßnahmen umgesetzt habe, und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, wozu auch die Überarbeitung des Ausbildungsgesetzes gehöre.

Etwa 15 Unternehmen waren der Einladung gefolgt und nutzten die Gelegenheit zu einem Austausch über die aus Sicht der deutschen Wirtschaft drängenden Themen. In seinem Eröffnungsstatement beim Treffen mit dem Minister betonte Kulik die positive Entwicklung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. Im ersten Halbjahr 2017 habe man einen Warenaustausch im Umfang von 3,7 Milliarden Euro erreicht. Dies sei eine Steigerung um 13 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016. Es gebe berechtigte Hoffnungen, dass 2017 im bilateralen Handel die Marke von sieben Milliarden Euro geknackt werde.

Tim Kurth, Präsident der Deutsch-Bulgarischen Industrie und Handelskammer, bestätigte, dass die in Bulgarien engagierten Unternehmen dem Markt insgesamt eine positive Entwicklung bescheinigen, unterstrich dabei aber auch den nach wie hohen Abstimmungsbedarf bei der Implementierung der dualen Bildung – ob im berufsbildenden oder universitären Bereich. Man habe bis jetzt schon viel geschafft, brauche aber die Unterstützung der bulgarischen Regierung, um hier noch weiter zu kommen. Vor diesem Hintergrund nehme man die Worte des Ministers sehr positiv auf, der das Thema Ausbildung in seinem Eingangsstatement bereits als Priorität bezeichnet hat. Dies sei besonders vor dem bereits jetzt erheblichen Fachkräftemangel im Land wichtig.

Aus- und Weiterbildung größte Herausforderung

Auch in der anschließenden Sitzung des Länderkreises nannten die Unternehmen das Thema Aus- und Weiterbildung als größte Herausforderung für die weitere positive wirtschaftliche Entwicklung der Region. Hier bestünde in der beruflichen Bildung ebenso Verbesserungsbedarf wie in der praxisnahen Gestaltung akademischer Ausbildungsgänge. Mit dem Zoran Djindjic Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans leiste der Ost-Ausschuss bereits jetzt einen wichtigen Beitrag, um die Kluft zwischen akademischer Bildung und Praxis zu schließen. Dies sei aber naturgemäß nur ein kleiner Beitrag und grundlegende Reformen im Bildungssektor aller Länder der Region seien Voraussetzung für die Verbesserung der Ausbildung.

Abschließend wurde die Entwicklung in den einzelnen Ländern der Region diskutiert, die sich insgesamt weiterhin positiv und ausgesprochen dynamisch entwickle. Helge Tolksdorf, Referatsleiter für Südosteuropa, EU-Erweiterung und Türkei im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, stellte die aktuelle Entwicklung und anstehende Herausforderungen in der Region aus Sicht seines Ministeriums vor. Bereits jetzt stehe die Region gemessen am bilateralen Warenaustausch mit Deutschland gut da und habe einen erheblichen Sprung gemacht. Eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen im Hinblick auf Rechtssicherheit, Korruptionsbekämpfung oder Transparenz von Verwaltungsverfahren sei wichtig. Dann könnten die Länder der Region von der Neubewertung der Märkte, die Unternehmen vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung weltweit vornähmen, profitieren.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft