Aserbaidschan setzt auf Reformen

11. Oktober 2017

Spürbare Verbesserung der Rahmenbedingungen/ Erstes Deutsch-Aserbaidschanisches Wirtschaftsforum in Baku

Am 11. Oktober fand in Baku das erste Deutsch-Aserbaidschanische Wirtschaftsforum statt, das von der Deutsch-Aserbaidschanischen Auslandshandelskammer (AHK) organisiert und vom Ost-Ausschuss und dem Osteuropaverein unterstützt wurde. Mit rund 200 Teilnehmern und hochrangigen Referenten der Regierung verdeutlichte es das rege Interesse an der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Land im Kaukasus.

Der Vorsitzende des staatlichen Zollkomitees Aserbaidschans Aydin Aliyev informierte die Teilnehmer einleitend über die jüngsten Reformen im Zollwesen. Die im vergangenen Jahr eingeführten neuen Regeln mit elektronischer Abfertigung entsprächen dem „State of the art“ und hätten die Transparenz der Zollabfertigung signifikant erhöht. AHK-Geschäftsführer Tobias Baumann stimmte Minister Aliyev darin zu, dass die Zollreform eine der besten Reformen des Landes sei.

Rund 200 deutsche Unternehmen

Der stellvertretende Wirtschaftsminister Sahil Babayev betonte das große Potenzial der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland, insbesondere in den Bereichen Industrie, Transport und Logistik sowie Energie. Derzeit seien rund 200 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in Aserbaidschan registriert. Mit der neuen elektronischen Registrierung wäre die Unternehmensgründung nun deutlich schneller und transparenter möglich. Die Regierung wolle Investitionen stärker stimulieren, etwa durch „tax holidays“, seine Exportförderung intensivieren und Messebeteiligungen ausbauen. „Made in Azerbaijan“ solle zu einem anerkannten Brand entwickelt werden. Besonders betonte Minister Babayev die Brückenfunktion seines Landes zwischen West und Ost sowie Nord und Süd.

Die ständige Vertreterin der Deutschen Botschaft in Baku, Theresa Schönfeld, zeichnete das aktuelle Bild der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und verwies auf die Bedeutung des Besuchs von Präsident Ilham Aliyev im Juni 2016 in Berlin für die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Auch die demnächst tagende Regierungsarbeitsgruppe Handel und Investitionen könne zusätzliche Impulse geben. Nicht zuletzt verwies Schönfeld auf das 200-jährige Jubiläum der Ankunft deutscher Siedler im Kaukasus, das die lange Tradition der deutsch-kaukasischen Beziehungen widerspiegle.

Dynamischer Markt

In Impulsvorträgen schilderten Samir Akhundov von Siemens und Vincent van Houten von der Deutschen Bahn, die Chancen zur Entwicklung der Zusammenarbeit mit Aserbaidschan als Industrie- und Logistikhub. Akhundov schätzte den aserbaidschanischen Markt als sehr dynamisch ein und legte den Fokus auf die Wirtschaftsreformen, die das Land als Reaktion auf den Ölpreisverfall umgesetzt habe. Insbesondere die Entwicklungen im e-Gouvernement, die Erhöhung der Transparenz, die Verbesserungen in Genehmigungsverfahren, die Steuer- und Zollreform erleichterten den Unternehmen ihre Arbeit. Van Houten zeichnete die Entwicklungsperspektiven im Schienenverkehr mit der „südlichen Route“ (Rumänien-Georgien-Aserbaidschan-China) sowie der Nord-Süd-Route (Russland-Aserbaidschan-Georgien-Türkei) auf. Wichtig sei dabei eine enge politische Kooperation der Nachbarn untereinander.

In einem Panel zum Geschäftsklima und zu Finanzierungsfragen wurden von aserbaidschanischen und deutschen Experten die weiteren Reformschritte diskutiert. Im Bestreben, die Ölabhängigkeit der aserbaidschanischen Wirtschaft weiter zu verringern, verfolgt das Land das Ziel, zu einem „Key player“ der Region zu werden und das Wirtschaftsklima weiter zu verbessern. Diesem Ziel diene etwa die Errichtung eines staatlichen Kreditgarantiefonds, der auch mittelständischen Unternehmen den Zugang zu Krediten ermöglichen soll. Die wichtigste kurzfristige Aufgabe sei jedoch die Erhöhung der Finanzstabilität des Landes. In zwei weiteren parallelen Podien stellten Unternehmen Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Industrie und Transport und Logistik vor.

Dr. Martin Hoffmann
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft