„Sanktionen sind wie chronische Rückenschmerzen“

18. Februar 2017

Deutsch-russisches Unternehmergespräch mit dem russischen Außenminister Lawrow

Die Unternehmensvertreter stellten die Themen industrielle Kooperation, Digitalisierung, gemeinsame Infrastruktur für Projekte auch in Drittländern sowie die Zusammenarbeit im Bereich Banken und Versicherungen ins Zentrum der Diskussion. Diskutiert wurde auch, welche Schwerpunkte die deutsche und die russische Wirtschaft bei den globalen Herausforderungen im Rahmen des G20/B20-Prozesses während der deutschen Präsidentschaft gemeinsam adressieren können.

Bei dem Gespräch im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz wurden zudem die aktuellen Herausforderungen in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen und Wege zur Überwindung der politischen Schwierigkeiten zwischen der EU und Russland diskutiert. Dabei wurden mögliche trilaterale Wirtschaftsprojekte unter Einschluss der Ukraine besprochen, um damit auch Unterstützung für den Minsk-Prozess zu geben.

Intensivierung des Dialogs

Der russische Außenminister Sergej Lawrow gab eine kurze Einschätzung zur aktuellen politischen Situation und warb für eine Intensivierung des Dialogs zwischen Deutschland und Russland. Trotz der Wirtschaftssanktionen und des angespannten politischen Klimas zwischen Russland und dem Westen sprachen sich die russischen und deutschen Unternehmensvertreter klar für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern aus. Die Sanktionen hätten einen deutlich negativen Einfluss auf die Wirtschaftszusammenarbeit. Man habe sich leider schon an die Sanktionen gewöhnt, müsse aber gemeinsam mit der Politik alles tun, um diesen Zustand schnell zu überwinden.

Ein russischer Unternehmer verglich die Sanktionen mit chronischen Rückenschmerzen, mit denen man sich abgefunden habe. Er appellierte an den Ost-Ausschuss, mit der Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit eine Art Physiotherapie anzubieten, die diese Rückenschmerzen heile.

Große Chancen sehen die Unternehmensvertreter vor allem in einer Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion. Darüber könnte neues Vertrauen aufgebaut werden, was letztlich zu ökonomischen Vorteilen für alle Seiten führen wird.

Dr. Christiane Schuchart
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft