Bundeskanzlerin würdigt 60 Jahre Ost-Ausschuss

25. Oktober 2012

Festveranstaltung in Berlin mit Angela Merkel, zahlreichen osteuropäischen Regierungsvertretern und 300 geladenen Gästen

Der 25. Oktober war ein Festtag, der allen 300 Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird und die völkerverbindende Wirkung der Wirtschaft eindrucksvoll belegte: Der Ost-Ausschuss feierte in Berlin seinen
60. Geburtstag und eine große Zahl hochrangiger in- und ausländischer Gäste aus Wirtschaft und Politik ließ sich dieses Ereignis nicht entgehen. „Bemerkenswerte Gäste, tolle Veranstaltungsorte, kurzweilige Reden, tolle Atmosphäre“, so lauteten hinterher die begeisterten Kommentare.

Das höchste Lob für die 60-jährige Arbeit des Ost-Ausschusses kam von der Bundeskanzlerin: „Wenn es einen Meistertitel in Kooperation gäbe, dann hätte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ihn sich längst verdient. Das 60. Jubiläum ist ein guter Anlass, das noch einmal hervorzuheben.“ Ihre große Wertschätzung für den Ost-Ausschuss unterstrich Angela Merkel nicht nur mit ihrer Rede im Rahmen des abendlichen Galadinners in der Axica unweit des Brandenburger Tors. Sie nahm sich anschließend mehr als doppelt so viel Zeit für Gespräche mit den Gästen, als es ihr straffes Protokoll ursprünglich vorgesehen hatte.

Begonnen hatte der Festtag am späten Nachmittag mit einem Empfang im Berliner Hotel Adlon für die 300 geladenen Gäste. Gekommen waren neben den Mitgliedern des Ost-Ausschusses unter anderem Regierungsvertreter aus Kasachstan, Kroatien, Montenegro, Russland und der Ukraine. Aus der Bundespolitik nahmen Wirtschaftsminister Philipp Rösler, SPD-Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier,
Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sowie zahlreiche Bundestagsabgeordnete teil.

Mit einer kleinen Ausstellung und einer Bilderschau zur 60-jährigen Geschichte des Ost-Ausschusses wurden die 300 Gäste auf den Festakt eingestimmt. Danach begeisterte das exklusiv für das Ost-Ausschuss-Jubiläum zusammengestellte Young Euro Classic Ensemble Deutschland-Russland, bestehend aus der Mezzosopranistin Irina Nikolskaja und dem Pianisten Alexander Fleischer, die Teilnehmer mit zwei Werken von Richard Strauss. Die jungen Musiker sind Mitglieder des von der LANXESS AG für das laufende Deutschlandjahr in Russland initiierten Young Euro Classic Orchestra. Im Verlauf des Abends hatten sie weitere Einsätze: Zur Mitte des Festakts interpretierte Alexander Fleischer, untermalt von wunderschönen Bildern aus allen 21 Ost-Ausschuss-Ländern, die Regentropfen-Prélude von Frederic Chopin, ehe das deutsch-russische Ensemble zum Abschluss Werke von Sergej Rachmaninow und Peter Tschaikowski aufführte.

Wandel durch Handel

In seiner Eröffnungsrede beschrieb Ost-Ausschuss-Vorsitzender
Eckhard Cordes den Gründungsgedanken des Ost-Ausschusses im Jahr 1952: „Der Ost-Ausschuss, so die Idee von Politik und Wirtschaft, sollte zumindest einige der gekappten Verbindungen zwischen West und Ost wiederherstellen. Es ging darum, nicht das Trennende zu betonen, sondern den gemeinsamen Nutzen zu stiften.“ Die Suche nach pragmatischen Lösungen jenseits von Ideologien zeichne den
Ost-Ausschuss bis heute aus. „Wandel durch Handel – dies war und ist die Überzeugung, die den Ost-Ausschuss antreibt.“

Die Wirtschaft, so Cordes weiter, habe entscheidend zum Zusammenwachsen Europas beigetragen. Die Integration Europas dürfe nun aber nicht an der Ost- und Südostgrenze der EU halt machen. „Wir brauchen einen gemeinsamen Wirtschaftsraum vom Atlantik bis zum Pazifik.“ Dazu gehöre es auch, Visa-Barrieren in Europa zu beseitigen. „Es ist höchste Zeit, dass sich gerade in Deutschland die maßgeblichen Politiker zusammensetzen und eine tragfähige Strategie entwickeln, die nicht die Ängste sondern die Chancen in den Mittelpunkt rückt.“ Die Bundeskanzlerin griff das Thema Visa-Freiheit wenig später in ihrer Rede direkt auf: „Ich glaube schon, dass es richtig ist, wenn unsere Partnerländer sagen: Wir brauchen eine Roadmap, wir brauchen einen Fahrplan, wir brauchen zeitliche Vorstellungen. Wir müssen vor allem denjenigen, die im täglichen wirtschaftlichen Austausch stehen, die Reisebedingungen erleichtern.“

Unterstützung für Kroatiens EU-Beitritt

Cordes warnte in seiner Eröffnungsrede vor aktuellen Überlegungen, Serbien und Mazedonien die Visa-Freiheit wieder zu entziehen. Missbrauch müsse verhindert werden, indem nach gemeinsamen Lösungen gesucht und nicht indem Millionen Menschen ausgegrenzt und die Wirtschaft geschädigt werde. Kritik äußerte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende auch an deutschen Parlamentariern, die zuletzt die
EU-Beitrittsfähigkeit Kroatiens angezweifelt hatten. An den kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanović gewandt, sagte Cordes: „Wir freuen uns auf Ihr Land, das für seine EU-Perspektive hart gearbeitet hat.“

Unterstützung für Kroatien gab es wenig später auch von
EU-Energiekommissar Günther Oettinger. „Kroatien ist weiter in Sachen Rechtsstaat, Marktwirtschaft und Korruptionsbekämpfung als manches Mitgliedsland der Europäischen Union“, sagte Oettinger und wies die „Misstöne aus dem Bundestag“ an Kroatiens EU-Beitritt zurück. Kroatien habe seine Hausaufgaben weitgehend gemacht und werde die letzten Punkte bis zum Sommer 2013 erfüllen. „Kroatien passt von der ökonomischen Perspektive her gut zu uns.“ Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstrich die EU-Perspektive für Kroatien: „Natürlich sind die Punkte, die die Europäische Kommission aufgelistet hat, die noch zu erledigen sind, zu erledigen. Kroatien wird das tun. Ich rechne damit, dass wir dann ab Juli nächsten Jahres gemeinsam volle Mitglieder der Europäischen Union sein werden.“ 

Der kroatische Ministerpräsident Milanović würdigte in seiner Rede Deutschland als Schlüsselland in Europa. „Wir können viel von Ihnen lernen.“ Anschließend überbrachte der neue kasachische Ministerpräsident Serik Achmetow, der das Ost-Ausschuss-Jubiläum zu seiner ersten Auslandsreise nach seiner Ernennung genutzt hatte, eine Grußbotschaft des kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew an den Ost-Ausschuss.

Russlands Präsident Wladimir Putin, vor kurzem ebenfalls 60 Jahre alt geworden, gratuliert dem Ost-Ausschuss mit einer Video-Botschaft, in der er auf die historische Rolle des Ost-Ausschusses bei der Anbahnung von Kooperationen mit Russland verwies: „Deutschland wurde zu unserem größten wirtschaftlichen Partner und konnte bis heute diese Position beibehalten.“ Putins Ausführungen ergänzte der nach Berlin gereiste
1. Russische Vize-Premierminister Igor Schuwalow. Dieser kündigte an, dass Russland bis 2014 der OECD beitreten wolle und warb für die sich bildende Eurasische Union. „Wenn der Ost-Ausschuss heute mit uns arbeitet, so vertreten wir nicht einfach nur den russischen, sondern den gemeinsamen Markt, der etwa 170 Millionen Menschen und drei Staaten umfasst.“

Spontane Reden von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und des montenegrinischen Staatspräsidenten Filip Vujanović ergänzten den Redenteil des Festtages, der trotz der Vielzahl der Beteiligten von den Teilnehmern als sehr kurzweilig empfunden wurde.

Für einen neuen Akzent sorgte nach dem Festakt der Ortswechsel vom Hotel Adlon zur benachbarten Axica, deren atemberaubende Architektur der amerikanische Star-Architekt Frank O. Gehry gestaltet hat. Der gläserne Festsaal, in dem am späten Abend mit dem Galadinner der
60. Geburtstag des Ost-Ausschusses ausklang, funkelte im blauen Scheinwerferlicht wie ein Bergkristall.

Andreas Metz
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

Hinweis: Die vollständige Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist hier zu finden.
Die Reden von Eckhard Cordes und Wladimir Putin stehen in der rechten Spalte als Download bereit.