Bosnien und Herzegowina

Stand: März 2017

Seit dem Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 setzt sich Bosnien und Herzegowina aus zwei Entitäten zusammen – der Föderation von Bosnien und Herzegowina und der Serbischen Republik, die beide jeweils über eine eigene sowie gemeinsam über eine gesamtstaatliche Exekutive und Legislative verfügen. Zudem übt ein Hoher Repräsentant als Vertreter der internationalen Gemeinschaft faktisch einen Teil der Staatsgewalt des Landes aus. Am 1. Juni 2015 trat das bilaterale Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft, das eine Freihandelszone der EU mit Bosnien-Herzegowina schafft. Im Februar 2016 hat Bosnien und Herzegowina seinen Antrag auf einen EU-Beitritt eingereicht.

Wirtschaftliche Entwicklung

2016 befand sich die bosnisch-herzegowinische Wirtschaft im vierten Jahr in Folge auf Wachstumskurs. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 2,7 Prozent. Die Auslandsnachfrage nach Industriewaren erwies sich erneut als einer der Hauptimpulsgeber. Die Investitionsnachfrage entwickelte sich trotz mehrerer größerer Vorhaben in den Bereichen Energie- und Verkehrsinfrastruktur dagegen verhalten. Die Nachfrage der privaten Haushalte legte leicht zu. Die Kaufkraft ist aufgrund der zumeist bescheidenen Einkommen und der hohen Arbeitslosigkeit aber begrenzt. Rund 27 Prozent der Bevölkerung sind offiziellen Angaben zufolge ohne Arbeit. Unter der Voraussetzung, dass die in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht für das Land wichtige Reformagenda abgearbeitet wird und externe Schocks ausbleiben, dürfte der konjunkturelle Aufwärtstrend sich auch 2017 fortsetzen. Die EBRD rechnet mit einer Wachstumsrate von drei Prozent. Die Exportnachfrage und das Investitionsgeschehen sind dabei wichtige Impulsgeber. Ein zentrales Infrastrukturvorhaben ist die Fortsetzung des Baus des Paneuropäischen Verkehrskorridors Vc zwischen Budapest und der kroatischen Stadt Ploce.

Das wirtschaftliche Potenzial des Landes kann sich wegen der komplizierten politischen Strukturen weiterhin nicht komplett entfalten. Seit dem Dayton-Vertrag aus dem Jahr 1995 besteht der Staat aus zwei Entitäten und einem Sonderverwaltungsgebiet. Wichtigen politischen Entscheidungen und Reformschritten geht stets ein langwieriger, komplexer Abstimmungsvorgang voraus. Dies behindert auch die zügige Umsetzung der mit dem IWF im September 2016 vereinbarten Reformagenda.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutsche Unternehmen übernahmen nach dem Ende des Krieges in Bosnien und Herzegowina eine Vorreiterrolle und investierten insbesondere in die produzierende Industrie des Landes. Der Warenaustausch zwischen beiden Staaten intensivierte sich in den letzten Jahren, und so ist Deutschland vor Italien der wichtigste Handelspartner Bosnien-Herzegowinas. Der bilaterale Warenaustausch mit Deutschland erreichte 2016 mit einem Gesamtvolumen von gut 1,4 Milliarden Euro einen neuen Spitzenwert und legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent zu. Die deutschen Exporte nach Bosnien und Herzegowina stiegen um 1,4 Prozent und erreichten 827 Millionen Euro. Die deutschen Importe von dort stiegen um 5,5 Prozent und lagen bei rund 622 Millionen Euro. Bei den deutschen Einfuhren dominieren Bekleidung, Möbel und Maschinen. Deutsche Unternehmen liefern vor allem Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, Textilien und Maschinen nach Bosnien und Herzegowina.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Im Juli 2016 organisierte der Ost-Ausschuss ein Gespräch mit dem Staatspräsidium des Landes in Berlin. Seit 2007 unterstützt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Rahmen des Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan auch junge Graduierte aus Bosnien und Herzegowina.

Quellen: OWC, GTAI, Raiffeisen Research, Statistisches Bundesamt