Berthold-Beitz-Zentrum in Berlin gegründet

30. Juni 2010

Ehrung für eine große Persönlichkeit der Verständigung zwischen Ost und West

Ab dem 1. Juli 2010 trägt das Russland/Eurasien-Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) den Namen „Berthold-Beitz-Zentrum – Kompetenzzentrum für Russland, Ukraine, Belarus und
 Zentralasien in der DGAP“. Der Ost-Ausschuss und die Deutsche Bank unterstützen das Zentrum jeweils mit 100.000 Euro pro Jahr.

„15 Jahre nach der Entstehung des Zentrums schlagen wir ein neues Kapitel auf und ehren einen Mann der Wirtschaft, dessen historische Mission es war, Brücken nach Polen, Russland und in andere osteuropäische Länder zu bauen. Diesem Lebenswerk fühlt sich das neue Berthold-Beitz-Zentrum verpflichtet“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Mangold nach einem Treffen mit Beitz in der Essener Villa Hügel, mit dem die Gründung des Zentrums feierlich besiegelt wurde.

Tessen von Heydebreck, Mitglied im Vorstand des Ost-Ausschusses und ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, verbindet mit der Neubenennung des Zentrums vor allem das Ziel der europäischen Verständigung über die Grenzen der EU hinaus: „Die Annäherung Westeuropas und seiner direkten östlichen Nachbarstaaten wurde mit der Erweiterung der Europäischen Union vollzogen. Zu den Ländern Russland, Ukraine und Belarus sowie zu den Staaten Zentralasiens und des Südkaukasus stehen trotz Erfolgen noch weitere Anstrengungen an. Genau hier setzt das zukünftige Berthold-Beitz-Zentrum an.“

Arend Oetker, Präsident der DGAP, begrüßt die enge Kooperation zwischen Politik, Forschung und Wirtschaft: „Die DGAP ist vor über 50 Jahren von der deutschen Wirtschaft gegründet worden, um mit der interessierten Öffentlichkeit außenpolitische Themen zu erörtern und Handlungsoptionen auf globalen Märkten zu diskutieren. Das Berthold-Beitz-Zentrum knüpft daran an und wird künftig stärker das wirtschaftliche Engagement Deutschlands in den Ländern mit profunden Analysen begleiten.“

Vorbereiter des "Wandels durch Anerkennung"

Der 1913 in Zemmin in Vorpommern geborene Berthold Beitz hat als Generalbevollmächtigter von Alfried Krupp, dem letzten persönlichen Inhaber der Firma Krupp, und danach als Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung die Entwicklung der deutschen Wirtschaft entscheidend mitgeprägt und dabei in moralischer Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Als kaufmännischer Leiter der Karpathen-Öl AG im polnischen Boryslaw hatte Beitz ab 1941 zusammen mit seiner Frau hunderte Juden vor dem Holocaust bewahrt. Nach dem Krieg baute Beitz mit einer strategisch durchdachten Osthandelspolitik Brücken über den Eisernen Vorhang. Während der offiziellen Politik im Kalten Krieg der direkte Kontakt verwehrt blieb, führte Beitz das Gespräch mit den Führern der kommunistischen Welt und wurde so zum Vorbereiter des späteren „Wandels durch Annäherung“. Alt-Kanzler Helmut Schmidt nannte Beitz einen „Diplomaten ohne staatlichen Auftrag“, der der „Vorreiter für Verständigung“ zwischen Ost und West gewesen ist.

„Das zukünftige Berthold-Beitz-Zentrum markiert eine Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Es ist eine Plattform für Begegnungen und ein Ort offener Aussprache zwischen den Ländern des Ostens und der deutschen Öffentlichkeit“, beschreibt Alexander Rahr, der langjährige Leiter des Programms Russland/Eurasien der DGAP, die Aufgaben seines Zentrums. „Diese Netzwerkfunktion sucht in Deutschland ihresgleichen.“ Viele Präsidenten, Außenminister, Oppositions- und Wirtschaftsführer hätten bereits von ihr Gebrauch gemacht, darunter der russische Präsident Dmitri Medwedew, der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew, die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko, Unternehmerpersönlichkeiten wie Wladimir Potanin und Oleg Deripaska und andere. Zudem biete das Zentrum als Think-Tank eine Basis für schnelle Analysen und Handlungsoptionen, und werde bereits jetzt von der Politik, internationalen Unternehmen und Medien ständig nachgefragt.

Kernziele des Berthold-Beitz-Zentrums

Der Ost-Ausschuss Vorsitzende Mangold nennt drei Ziele, an denen sich das  Berthold-Beitz-Zentrum orientiert:

„1. Es gibt keine wirtschaftliche und sicherheitspolitische Stabilität in Europa ohne eine Einbindung Russlands und der Ukraine.
2. Mit den Staaten in Zentralasien benötigen wir eine enge strategische Partnerschaft, die wir auch über enge Wirtschaftsbeziehungen herstellen.
3. Der Grundsatz der Osthandelspolitik von Berthold Beitz „Wandel durch Handel“ bleibt ein Erfolgsrezept für das deutsche Engagement im östlichen Europa.“

Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), der das Berthold-Beitz-Zentrum angegliedert ist, zählt zu den großen deutschen Mittlerorganisationen für Fragen der internationalen Politik und der Außen- und Sicherheitspolitik. Die DGAP wurde 1955 gegründet und hat ihren Sitz in Berlin. www.dgap.org

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ist seit dem Jahr 2008 gemeinsam mit der Deutschen Bank Hauptfinanzierer des Zentrums und führt mit ihm regelmäßig Veranstaltungen in Kooperation durch. Der 1952 gegründete Ost-Ausschuss, dem 150 größere und mittelständische Unternehmen sowie große Wirtschaftsverbände angehören, vertritt die Interessen der deutschen Wirtschaft in Bezug auf 22 Länder Osteuropas und Zentralasiens. www.ost-ausschuss.de

Die Deutsche Bank AG gehört zu den wichtigsten ausländischen Finanzakteuren auf den Märkten Mittel- und Osteuropas. Seit dem Jahr 2008 ist die Deutschen Bank gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss Hauptfinanzierer des Zentrums. www.deutsche-bank.de