Über den Dächern von Berlin

12. Juli 2013

Jahresempfang des Ost-Ausschusses am 11. Juli im Hotel de Rome

Am 11. Juli 2013 lud der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft seine Mitglieder und Partner zu seinem traditionellen Jahresempfang nach Berlin ein. 130 Teilnehmer, darunter der Wirtschaftsberater der Bundeskanzlerin Lars-Hendrik Röller, Wirtschaftsstaatssekretärin Anne Ruth Herkes sowie zahlreiche Botschafter und Bundestagsabgeordnete informierten sich über die Arbeit des Ost-Ausschusses in den vergangenen zwölf Monaten. Die Hauptreden hielten der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes und der Gründer der TRIAD Berlin Projektgesellschaft Lutz Engelke. Zum Ausklang gab es ein Barbecue über den Dächern von Berlin.

Begonnen hatte der Tag mit der Jahrespressekonferenz des Ost-Ausschusses, in der der Vorsitzende Eckhard Cordes und sein Stellvertreter Johannes Teyssen die Ergebnisse einer Mitgliederumfrage zum Stand der deutschen Beziehungen mit den Ländern des Ost-Ausschusses vorstellen (zum Bericht). Es folgten Sitzungen von Vorstand und Präsidium und die interne Mitgliederversammlung, ehe Eckhard Cordes gegen 18:30 Uhr den Jahresempfang im Ballsaal des Hotel de Rome eröffnete.

Cordes zog eine positive Bilanz der zurückliegenden zwölf Monate, in denen der Ost-Ausschuss unter hochrangiger internationaler Beteiligung seinen 60. Geburtstag gefeiert, das Deutschlandjahr in Russland begleitet, 19 von 21 Ländern mit Delegationen besucht und zahlreiche neue Akzente gesetzt hatte. Zu letzteren zählte die Gründung des east forum Berlin gemeinsam mit der UniCredit, die Einrichtung eines Arbeitskreises Rohstoffkooperationen im Ost-Ausschuss und die Schaffung einer „Kontaktstelle Mittelstand“ für KMU, die den russischen Markt in den Blick nehmen wollen.

„Erfreulich ist, dass es bei den Rahmenbedingungen auch in den vergangenen zwölf Monaten einige bemerkenswerte Fortschritte gab“, sagte Cordes und erinnerte an den WTO-Beitritt Russlands, den EU-Beitritt Kroatiens und die „historische“ Annäherung zwischen Serbien und dem Kosovo. Kritisch kommentierte er dagegen die Eintrübung der politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Die Gründe dafür seien gerade auch in Russland selbst zu suchen, man müsse aber davon wegkommen, Differenzen über die Medien auszutragen. „Wir müssen im Umgang miteinander wieder stärker zu einem Dialog und zu diplomatischen Lösungen zurückfinden“, forderte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende.

Von der neu zu wählenden Bundesregierung erwartet Cordes Fortschritte insbesondere auf vier Feldern, angefangen mit der Beseitigung der Visa-Pflicht in Europa und der Förderung mittelständischer Unternehmen, über die Weiterentwicklung der Modernisierungspartnerschaft mit Russland bis hin zu Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Russland.

Cordes schloss seine Rede mit einem Dank an die Partner des Ost-Ausschusses und verwies dabei auch auf ein Ergebnis der jüngsten Mitgliederbefragung zur Zusammenarbeit mit den deutschen Vertretungen im Ausland: „Die positiven Bewertungen liegen hier bei 70 Prozent und mehr. Dies gilt ausnahmslos für die deutschen Botschaften in allen 21 Ost-Ausschuss-Ländern.

Wirtschaften im 21. Jahrhundert

Im Anschluss daran führte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner TRIAD-Gründer und Geschäftsführer Lutz Engelke ein: Engelke ist seit 2011 Honorarprofessor für Design an der Fachhochschule Potsdam, sein Unternehmen zählt mit rund 120 Mitarbeitern zu den Flaggschiffen der Berliner Kreativ-Industrie. TRIAD realisierte 2010 für die chinesische Regierung den Themenpavillon „Urban Planet“ auf der Expo in Schanghai und lockte damit über acht Millionen Besucher an. Aktuell konzipiert TRIAD sowohl das DFB-Fußballmuseum in Dortmund als auch das Weltfußballmuseum in Zürich. Gerade erschienen ist das von Engelke anlässlich des 75. Geburtstages von Klaus Töpfer herausgegebene Buch „future lab germany – Innovationen für die Welt von morgen“, in dem renommierte Autoren die Chancen einer „grünen Wirtschaft“ beschreiben.

Engelke nahm die Teilnehmer des Jahresempfangs in seinem Vortrag „Die Zukunft der Städte – Wirtschaften im 21. Jahrhundert – Herausforderung Osteuropa“ mit auf eine virtuelle Reise um die Welt und beschrieb plastisch die Aufgaben, mit denen zukünftige Stadtplaner konfrontiert sind, um Städte nachhaltig zu entwickeln. „Allein China will in den kommenden 25 Jahren 400 Millionen Menschen in Städten ansiedeln“, sagte Engelke. Mit den alten Methoden sei dies nicht zu schaffen, sonst würde man in absehbarer Zeit mehr als eine Erde benötigen. Darüber hinaus müssten 90 Prozent der bestehenden Städte in den USA, Russland, China und auch in Europa nachhaltig umgebaut werden, um sie zukunftsfähig zu machen, angefangen von neuen Mobilitätskonzepten bis hin zu Versorgungssystemen.

„Die Chancen für die deutsche Exportwirtschaft sind gewaltig“, so Engelke. „Allein China investiert bis 2017 315 Milliarden US-Dollar in Energieeffizienz und Umwelttechnik, Indien will in den nächsten 30 Jahren eine Leistung von 200 Gigawatt an Solarenergie aufbauen und Kenia hat beschlossen, sein Energiesystem ausschließlich nachhaltig zu entwickeln.“ Engelke verwies zudem auf laufende, innovative Stadtplanungsprojekte in Moskau, Petersburg und Kiew. Abschließend plädierte er für eine „neue Gründerzeit“, für einen wirtschaftlichen Aufbruch in eine „postfossile Gesellschaft“ und hinterließ damit im Saal viele nachdenkliche Gesichter.

Während sich der Himmel über Berlin tagsüber eher trübe gezeigt hatte, brach abends die Sonne hinter den Wolken hervor. So stand einem abschließenden Barbecue auf dem Dach des Hotel de Rome nichts im Wege, mit weitem Blick über die Mitte Berlins.           

Andreas Metz,
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft