Armenien

Stand: März 2017

Im Februar 2017 haben die EU und Armenien die Verhandlungen über ein neues umfassendes Partnerschaftsabkommen abgeschlossen, das die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen soll. Das Abkommen soll im Mai unterzeichnet werden. Im Herbst 2014 hatte Armenien überraschend die Ratifizierung eines Assoziierungsabkommens mit der EU abgesagt und war 2016 der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion beigetreten. Armenien ist Teil des Östliche-Partnerschaft-Programms der EU.

Wirtschaftsentwicklung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Armeniens entwickelte sich 2016 mit einem Plus von zwei Prozent verhalten. Die Rezession in Russland als wichtiger Wirtschaftspartner Armeniens erwies sich weiter als Bremsklotz für die heimische Wirtschaft. Durch die Schwäche der russischen Wirtschaft sanken die Rücküberweisungen der armenischen Arbeitsmigranten weiter, dazu kommt die hohe Arbeitslosigkeit von inoffiziell über 30 Prozent. Investitionen und privater Konsum waren 2016 weiter rückläufig. Positiv entwickelten sich dagegen die Ausfuhren, vorwiegend Bergbau- und Hüttenerzeugnisse sowie Getränke und Lebensmittel.

Auch für 2017 erwartet die EBRD ein reales BIP-Wachstum von rund zwei Prozent. Institutionen wie die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), die Weltbank und die deutsche KfW stellen Kreditlinien für Infrastrukturprojekte bereit. Ein Risikofaktor für den Ausblick ist der wieder aufgeflammte Konflikt mit Aserbaidschan um Berg-Karabach. Die von den Nachbarländern Aserbaidschan und Türkei infolge des Konflikts seit den 1990er Jahren verhängte Verkehrs- und Energieblockade bremst auch eine stärkere Einbindung in die internationale Wirtschaft. Daneben belasten hausgemachte Probleme wie die Schattenwirtschaft, stockende Reformen, oligarchische Strukturen, Defizite in der Infrastruktur und schwache Institutionen die Konjunktur.

Geschäftspotenzial bieten vorrangig der Infrastruktursektor (Transport, Strom und Wasser/Abwasser), die Landwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe, der IT-Sektor und der Tourismus. Zudem will die Regierung die Energiesicherheit erhöhen und setzt auf einen Mix aus fossilen Brennstoffen (Erdgas), Kernenergie und erneuerbaren Energien (Wasserkraft). Projekte im Infrastrukturbereich sind ein Nord-Süd-Straßenkorridor sowie der Bau einer Eisenbahnverbindung in den Iran. Die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit ist hoch.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Deutschland ist weiterhin einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Armeniens. Im Jahr 2016 betrug das bilaterale Handelsvolumen rund 265 Millionen Euro. Die deutschen Exporte stiegen leicht um 1,2 Prozent auf fast 152 Millionen Euro. Die Importe aus Armenien gingen dagegen um 18 Prozent auf 114 Millionen Euro zurück. Aus Deutschland werden hauptsächlich Maschinen, Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, chemische Erzeugnisse sowie Rohstoffe nach Armenien exportiert.  Bei den Importen aus Armenien dominieren NE-Metalle, Eisen und Stahl sowie Textilien und Bekleidung.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Anfang April 2016 führte der Ost-Ausschuss 18 interessierte deutsche Unternehmen zu einem Gespräch mit dem armenischen Präsidenten Sersh Sargsjan in Berlin zusammen, um über mögliche Kooperationen zu diskutieren. Im Februar 2017 veranstaltete der Ost-Ausschuss gemeinsam mit anderen Partnern ein Deutsch-Armenisches Wirtschaftsforum in Berlin. Im Zentrum der eintägigen Veranstaltung standen die Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich der Informationstechnologien, des Verkehrs und im Energiesektor.