Albanien

Stand: September 2017

Seit Juni 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Für das kleine Land war dies ein weiterer wichtiger Schritt hin zur EU-Mitgliedschaft. Auf dem Weg in die Gemeinschaft sind jedoch noch eine Reihe von Aufgaben zu erledigen. Dazu zählt vor allem eine Reform der Justiz.

Wirtschaftsentwicklung

Die albanische Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs. Im Jahr 2016 wuchs das albanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) um 3,5 Prozent. Träger des Wachstums ist zuvorderst die robuste Investitionsneigung. Gute Chancen für ausländische Zulieferer bieten dabei mehrere Großvorhaben zu Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur. Schwerpunkte bilden dabei die Sektoren Energie und Verkehr. Unter einer ganzen Reihe von Infrastrukturprojekten steht der Bau des albanischen Abschnitts der Transadriatischen Pipeline (TAP) an vorderster Stelle. Das Vorhaben im Rahmen des sogenannten südlichen Gaskorridors, über den ab etwa 2020 Erdgas aus Aserbaidschan nach Westeuropa gelangen soll, generiert nicht nur einen beträchtlichen Ausrüstungsbedarf. Auch Bauleistungen werden in diesem Zusammenhang deutlich stärker nachgefragt. Zudem sind mehrere Wasserkraftwerke relevante Investitionsprojekte für ausländische Partner. Darüber hinaus fließen nennenswerte Summen in eine Reihe von Vorhaben im Bereich Stromverteilung und -versorgung. Der private Verbrauch ist ein weiterer Wachstumsmotor. Demgegenüber stagnierten 2016 die Warenexporte, vor allem wegen der niedrigen Rohstoffpreise. Dank steigender Dienstleistungsexporte vor allem im Tourismus kamen von Außenhandel aber dennoch positive Wachstumsimpulse.

Mittelfristig ist davon auszugehen, dass die albanische Konjunktur weiter an Dynamik gewinnt. Neben der Stabilisierung des Ölpreises werden dazu vor allem die großen Investitionsvorhaben beitragen, die überwiegend durch bi- und multilaterale Geber und das Engagement ausländischer Investoren finanziert werden. Für 2017 erwartet die EBRD ein Wirtschaftswachstum von erneut 3,5 Prozent, für 2018 rechnet sie mit einem Plus von 3,7 Prozent.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Die deutschen Exporte nach Albanien stiegen 2016 kräftig um rund 56 Prozent auf knapp 311 Millionen Euro, nicht zuletzt aufgrund der Lieferung von Stahlröhren an das TAP-Konsortium. Auch die deutschen Importe aus Albanien legten zu: Sie summierten sich auf 81 Millionen Euro und lagen damit fast zwölf Prozent über dem Vorjahresniveau. Unter den Hauptlieferländern rangierte Deutschland nach Italien, China, der Türkei und Griechenland an fünfter Position. Von deutschen Unternehmen werden vor allem Kraftwagen und Kfz-Teile, Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse sowie Maschinen nach Albanien exportiert. Die Einfuhren aus Albanien bestehen vor allem aus Textilien, Schuhen sowie Eisen und Stahl.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Gemeinsam mit der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft und weiteren Partnern organisierte der Ost-Ausschuss im Oktober 2016 in Hamburg das Wirtschaftsforum Albanien, das vom albanischen Premierminister Edi Rama und dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Uwe Beckmeyer eröffnet wurde. Der Ost-Ausschuss fördert im Rahmen des Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan auch Stipendiaten aus Albanien.

Quellen: OWC, GTAI, IWF, EBRD, Statistisches Bundesamt