Herausforderungen in Chancen umwandeln

31. Mai 2016

Tagung Deutschland und Zentralasien: Interessen und Erwartungen/ Wirtschaftspanel mit Beteiligung des Ost-Ausschusses

Anlässlich des Erscheinens der 100. Ausgabe der Zentralasien-Analysen veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) am 31. Mai 2016 in Berlin die Tagung „Deutschland und Zentralasien: Interessen und Erwartungen“ statt. Ein Panel, an dem der Regionaldirektor für Zentralasien im Ost-Ausschuss Eduard Kinsbruner teilnahm, befasste sich mit dem Thema „Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Erdölreichtum und Entwicklungsprojekten“.

Obwohl die Region zunehmend in den Fokus rückt, sind die fünf zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan mit Problemen konfrontiert, die die Zusammenarbeit hemmen, wie schwierige innenpolitische Verhältnisse, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und Korruption. Darüber hinaus ist die aktuelle Wirtschaftslage durch die Wirtschaftskrise in Russland und den Ölpreisverfall beeinträchtigt. Zudem behindern Grenzstreitigkeiten die bilateralen und regionalen Beziehungen und die Bewältigung grenzübergreifender Herausforderungen wie Wasserversorgung, Drogenhandel, Terrorismus und sicherheitsstrategische Fragen.

Frank Weisig vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstrich, dass seitens der Bundesregierung viel für die Unterstützung von Exportinitiativen gemacht werde, etwa durch Auslandsmessen, das Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in der Region, Delegationsreisen sowie Förder- und Managerfortbildungsprogramme. Weiterer Unterstützung bedürfe es allerdings immer in den Bereichen Zertifizierung, Zölle, Normen, Genehmigungen und Compliance. Axel Bommersheim von der Commerzbank wies auf die immer noch aktuelle Frage des Zugangs zu Finanzierungsmitteln hin, der auf der Regierungsebene mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, um gemeinsame Projekte zu unterstützen - etwa im Falle von Hermes-Deckungen für Kasachstan

In Bezug auf die Rohstoffzusammenarbeit ist hervorzuheben, dass Kasachstan der fünftgrößte Öllieferant für Deutschland ist. Ost-Ausschuss-Regionaldirektor Kinsbruner machte aber darauf aufmerksam, „dass man sich von den hohen Rohstoffpreisen verabschieden muss“. Der Rohstoffpreisverfall sorge in Zentralasien für weniger Einkommen und folglich für weniger Handel mit Deutschland und Europa insgesamt. Was das Exportpotenzial Deutschlands in den zentralasiatischen Staaten angeht, so bestehe aufgrund der Bestrebungen der Länder, ihre Wirtschaften zu diversifizieren, ein enormer Bedarf an Modernisierung, Technologie- und Innovationstransfer.

Neue Perspektive schaffe die Zusammenarbeit im Bereich erneuerbarer Energien besonders im Hinblick auf die EXPO 2017 und den Übergang zur „Green Economy“ in Kasachstan, so Kinsbruner. Projekte wie die chinesische Seidenstraßen-Initiative brächten durch den Ausbau der Infrastruktur und der Transportwege auch den Ausbau des Potenzials der Länder. Das europäische und deutsche Engagement sei auch seitens der zentralasiatischen Länder gewünscht, um den Einfluss von China und Russland auszubalancieren. Die Teilnahme von Kasachstan und Kirgisistan an der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) eröffne für deutsche Unternehmen zudem die Möglichkeit, in den EAWU-Markt einzutreten.

Hanna Lipnitskaya
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft