„Wir brauchen deutsch-kasachische Leuchtturmprojekte“

15. Dezember 2016

19. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs diskutierte über die bilaterale Wirtschaftskooperation

Die wirtschaftliche Kooperation zwischen Deutschland und Kasachstan stand im Mittelpunkt der 19. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs (BEK) Mitte Dezember in Berlin, die von der kasachischen Botschaft und dem Ost-Ausschuss organisiert wurde. Am Vorabend des 25. Jahrestags der Unabhängigkeit Kasachstans erörterten Vertreter aus Wirtschaft und Politik beider Länder den Stand und die Perspektiven der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.

Die Veranstaltung wurde von Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms eröffnet, der Kasachstan als „wichtiges Bindeglied zwischen Europa und Asien“ bezeichnete. Die deutsche Industrie stehe als wichtiger Partner für die Modernisierung und Diversifizierung der kasachischen Wirtschaft bereit, die zuletzt mit den niedrigen Energie- und Rohstoffpreisen zu kämpfen hatte. Kasachstan habe den „Weg der Modernisierung und Industrialisierung“ eingeschlagen, um diese Rohstoffabhängigkeit zu überwinden, betonte Bolat Nussupov, der kasachische Botschafter in Deutschland. Er würdigte die „außerordentliche Dynamik der wirtschaftlichen Beziehungen“ zwischen beiden Ländern. Gernot Erler, der Beauftragte der Bundesregierung für die Beziehungen zu Zentralasien, wies darauf hin, dass der bilaterale Handel zwar wertmäßig, weniger aber vom Volumen her zurückgegangen sei. Dennoch müsse weiter an den rechtlichen Rahmenbedingungen gearbeitet werden.

Der stellvertretende kasachische Außenminister Roman Vassilenko hob den erfolgreichen Weg hervor, den Kasachstan seit der Unabhängigkeit zurückgelegt habe. So sei die Wirtschaftsleistung im vergangenen Vierteljahrhundert um das 20-fache gewachsen, und Kasachstan produziere inzwischen erfolgreich Industrieprodukte wie Lokomotiven oder Hubschrauber. Vassilenko plädierte für die wirtschaftliche Verflechtung im eurasischen Raum: „Konnektivität ist für ein Binnenland wie Kasachstan sehr wichtig“, sagte er. Große Chancen für sein Land sieht er daher in der chinesischen Initiative zur Etablierung einer „neuen Seidenstraße“. Askhat Beisenbayev von der kasachischen Investitionsagentur Kaznex Invest stellte anschließend das wirtschaftliche Potenzial des Landes und seiner Branchen für ausländische Investoren vor.

Vernünftiger Umgamg mit den Öleinnahmen

In einer von Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Harms moderierten Diskussionsrunde wurden anschließend die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Kasachstan erörtert, wobei auch kritische Aspekte nicht ausgespart wurden. Als „substanzielles Problem“ im Handel mit Kasachstan bezeichnete Peter Tils, CEO der Deutschen Bank für Osteuropa und Co-Vorsitzender des Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrats, die Aussetzung der Hermes-Bürgschaften bei öffentlichen Aufträgen. Dies behindere insbesondere die Finanzierung langfristiger Anlageinvestitionen. Andreas Steininger, Geschäftsführer des Ost-Instituts in Wismar, kritisierte die Dominanz staatlicher „Dinosaurierunternehmen“ in der kasachischen Wirtschaft. Zudem fehle die Rechtsform der GmbH mit ihrer Haftungsbeschränkung, was insbesondere Mittelständlern Firmengründungen im Land erschwere. Viel Lob erfuhr Kasachstan dagegen für den vernünftigen Umgang mit den lange Zeit üppig sprudelnden Öleinnahmen und seiner Offenheit für neue Technologien und die Ausbildung kasachischer Nachwuchskräfte im Ausland. Noch gebe es bei deutschen Unternehmen aber viel Unkenntnis über Kasachstan, so Steininger. „Wir brauchen deutsch-kasachische Leuchtturmprojekte“, forderte daher Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Harms.

Bereits im Vorfeld der Sitzung tagte ein hochrangig besetzter Beirat mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum ersten Mal, um die Themen und Schwerpunkte des Berliner Eurasischen Klubs für das kommende Jahr zu identifizieren. Der Berliner Eurasische Klub war 2012 anlässlich eines Besuchs des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew in Berlin ins Leben gerufen worden. Seit Juli 2016 ist der Ost-Ausschuss deutscher Kooperationspartner des BEK.

Christian Himmighoffen, Eduard Kinsbruner
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft