6. Deutsch-Russische Gespräche Baden-Baden

7. Oktober 2013

Junge Führungskräfte diskutieren unter anderem mit EU-Kommissar Oettinger über die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen

Vom 7. bis 13. Oktober 2013 trafen sich 26 junge Führungskräfte aus Deutschland und Russland zu den 6. Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden. Das jährlich stattfindende Intensivseminar im Palais Biron wird vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt veranstaltet.

Das Thema des diesjährigen Intensivseminars lautete: „Neue Wege gehen – durch Modernisierung und Innovation die Zukunft sichern“. Eine Woche lang diskutierten die Seminarteilnehmer darüber, wie erfolgreiches Innovationsmanagement gelingt, wie soziale und ökologische Verantwortung als Teil einer modernen Unternehmensstrategie verankert wird, wie Medien auf die Gesellschaft einwirken, wie sich Unternehmen erfolgreich den Herausforderungen der neuen sozialen Medien stellen und wie die deutsch-russischen Energiebeziehungen der Zukunft aussehen könnten.

Mit hochkarätigen Referenten aus Politik und Wirtschaft ist es dem Ost-Ausschuss und seinen Kooperationspartnern gelungen, die Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden einmal mehr zu einem anspruchsvollen Forum für junge Führungskräfte beider Länder zu machen. 

Eröffnet wurden die Gespräche mit einem Welcome Dinner im KurhausCasino Baden-Baden. In seiner Dinner Speech betonte Dr. Thomas Mirow, früherer Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die dringende Notwendigkeit für Russland, durch tiefgreifende Modernisierung und Diversifizierung der Wirtschaft den Anschluss zu den anderen BRICS-Staaten zu halten. Durch seine pointierte Darstellung gelang es Dr. Mirow, einen intensiven Meinungsaustausch zwischen den Teilnehmern anzustoßen und somit wesentlich zum Gelingen der folgenden Seminarwoche beizutragen.

Während des Seminars gaben weitere Top-Manager, Unternehmensgründer, Politiker und Wirtschaftsexperten aus Russland und Deutschland Diskussionsimpulse und standen als Gesprächspartner zur Verfügung. Als kleiner Einblick in die spannenden Panels der Seminarwoche sollen folgende drei Beispiele dienen:

EU-Kommissar Günther Oettinger diskutierte mit den Seminarteilnehmern die Rolle Russlands für die europäische Energieversorgung. Trotz des Ausbaus der Erneuerbaren Energien und der zunehmenden Nutzung von Schiefergas sei die Zusammenarbeit mit Russland im Energiebereich weiterhin von hoher Bedeutung. „Die langjährige Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Russland wollen wir fortführen und erhalten, auch wenn sie nicht konfliktfrei ist, da eine machtstrategische und kulturelle Differenz besteht“, so Oettinger. 

Ruben Wardanian, Berater des Präsidenten der größten osteuropäischen Bank „Sberbank“ und einer der bedeutendsten Investmentbanker Russlands, debattierte mit den Seminarteilnehmern über Corporate Social Responsibility. Eine umfassende Wahrnehmung ökonomischer und sozialer Verantwortung von Unternehmen gelänge nur, wenn die Politik in Russland die Voraussetzungen für längerfristige Planungshorizonte und damit nachhaltiges Wirtschaften schafft. „Dabei kommt es maßgeblich auf Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und der Ausbildung einer neuen, verantwortungsbewussten Elite an“, betonte Wardanian.

Höchst spannend war auch der Austausch mit Ewgenija Tschirikowa, einer der bekanntesten Umweltaktivistinnen Russlands. Tschirikowa warb für ein konsequentes Umdenken in der russischen Industrie, die sich bislang unzureichend für Klimaschutz und effektiven Ressourceneinsatz interessiere. „Fortschritt ist nur durch nachhaltiges Wirtschaften möglich. Anderenfalls entwickelt sich Russland zur Rohstoffkolonie“, so die Gründerin der Umweltbewegung Ekooborona.

Neben den Diskussionen im Plenum bearbeiteten die Seminarteilnehmer in Workshops Fallstudien aus der Unternehmenspraxis und vertieften in Round Tables den Meinungs- und Erfahrungsaustausch zu eigenständig gewählten Themen. So entstanden intensive Gruppenarbeiten zu den Themen Personal, Investitionen mittelständischer deutscher Unternehmen, Herausforderungen im internationalen Projektmanagement sowie Nachhaltiges Wirtschaften/ Soziale Verantwortung von Unternehmen. 

Das intensive Arbeitspensum im Palais Biron wurde durch ein umfassendes Rahmenprogramm ergänzt. Am ersten Seminartag lösten die Seminarteilnehmer beim Networking in Nature im Schwarzwald in gemischten Teams knifflige Aufgaben und lernten sich so besser kennen. Schnell war das Eis gebrochen und ein echtes Gruppengefühl entstanden. Zudem besuchten die Teilnehmer die Schaeffler-Gruppe am Standort Bühl und bekamen hierbei einen exklusiven Einblick in die Produktion eines führenden Automobilzulieferers. Beim Wine & Dine auf Schloss Staufenberg, an dem auch Michael Prinz von Baden teilnahm, genossen die jungen Führungskräfte badische Weine und Köstlichkeiten der regionalen Küche. Mit Live-Band, Tanz und guter Stimmung wurde ein krönender Abschluss des Seminars gefeiert.

Nach dem Seminar wurden die Teilnehmer in ein aktives Netzwerk von nunmehr über 180 Alumni aufgenommen. Über diese Vernetzung können sie auf die Fachexpertise ihrer Kollegen zurückgreifen sowie die in Baden-Baden geschlossenen Kontakte und Freundschaften ausbauen. Dass dieses Netzwerk trägt, davon zeugt auch, dass zahlreiche Alumni der vorherigen Seminare für die letzten beiden Seminartage nach Baden-Baden reisten, um die diesjährigen Teilnehmer kennenzulernen. 

Das Gesamttreffen aller Alumni wird Ende Mai 2014 in Moskau stattfinden. Nach der intensiven Woche in Baden-Baden werden die Alumni aber sicherlich auch zwischenzeitlich in regem Kontakt und Austausch stehen. 

Matthias Toepfer
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft