2. Deutsch-Belarussisches Energieforum

29. April 2010

Kooperationen bei erneuerbaren Energien und gemeinsame Energieefzienz-Projekte standen im Mittelpunkt des 2. Deutsch-Belarussischen Energieforums, das am 22. April 2010 im Rahmen der Hannover Messe stat fand. An dem Treff en, das vom BMWi, der Hannover Messe, der dena, dem DIHK, der Botschaft der Republik Belarus sowie dem Ost-Ausschuss organisiert wurde, nahm eine über 30-köpfige Delegation belarussischer Politiker und Wirtschatsvertreter teil. Geleitet wurde diese von Leonid Shenets, stellvertretender Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Normung und Direktor des Departements für Energieeffizienz.

Belarus verfügt ähnlich wie Deutschland kaum über eigene Öl- und Gasvorkommen. Deshalb muss das Land 85 Prozent seiner Energieträger importieren. Vor diesem Hintergrund arbeitet Belarus intensiv an den Themen Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Ein Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energiequellen liegt gerade dem belarussischen Parlament zur Beratung vor und soll im Herbst 2010 in Kraft treten. Shenets rechnet in den nächsten fünf Jahren mit einem Schub bei der Nutzung einheimischer nachwachsender Rohstoffe, insbesondere Holzkohle, Torf und Braunkohle sowie kleinerer Wasserkraftwerke. In den vergangenen Jahren ist es Belarus bereits gelungen, eine Entkopplung des Wirtschaftswachstums und des Energieverbrauchs zu erreichen. In den Ergebnissen dieser Einsparbemühungen ist Belarus im GUSBereich führend. Die Fortsetzung dieses Kurses eröffne zusätzliche Chancen für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Belarus, sagte Shenets. Der Vize-Gouverneur des Minsker Gebietes Valery Skakun informierte in diesem Zusammenhang über die Bereitstellung von Grundstücken zur Errichtung von Energieobjekten in Belarus, speziell im Umfeld der Hauptstadt Minsk.

Hartmut Schneider, Abteilungsleiter Energiepolitik im BMWi, plädierte seinerseits für eine verstärkte energiepolitische und energiewirtschaftliche Kooperation mit Belarus. Das Potenzial der Zusammenarbeit im Energiebereich sei deutlich größer als der bislang erreichte Stand. Stefan Kohler, Geschäftsführer der dena, bot die Erfahrungen Deutschlands insbesondere bei der Nutzung
regenerativer Energiequellen, beim Ausbau der Kraftwärmekopplung im Industrie- und Gebäudesektor sowie bei Energiedienstleistungen an. Auch Hilfe für die Einspeisung der durch erneuerbare Quellen gewonnenen Energie ins Netz sei möglich.

In weiteren Vorträgen von deutschen und belarussischen Unternehmen wurden Projekte, Projektmöglichkeiten und Erfahrungen mit Windkraft- und Biogasanlagen vorgestellt, über Minikraftwerke auf der Basis von Torf und Holzabfällen informiert sowie über die Nutzung von Wasserkraft und die Modernisierung von Energieverteilungsanlagen diskutiert. Einen wichtigen Raum nahmen Fragen der Ausbildung von Spezialisten der Energiewirtschaft in Belarus und der Vermittlung westeuropäischen Know-hows an belarussischen Ausbildungseinrichtungen ein. Professor Aleksandr Kalinichenko von der belarussischen nationalen Technischen Universität, die nach seinen Angaben etwa 90 Prozent der belarussischen Energiespezialisten ausbildet, regte an, ein gemeinsames Zentrum für die Aus- und Weiterbildung an seiner Universität mit dem Schwerpunkt Bioenergie zu etablieren.

Auch Fragen der Finanzierung von Projekten im Energiebereich wurden erörtert. Speziell Ulrich Ficht von der Landesbank Berlin verwies darauf, dass der bestehende Plafonds für Hermes-Bürgschaften mit Belarus mit derzeit 100 Millionen Euro zu klein sei für wachsende Projekte. Hier sei in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung nach einer Möglichkeit zu suchen, künftige Projekte in die Deckung einzuschließen. Während des Energieforums unterzeichneten das Departement für Energieeffizienz des belarussischen Komitees für Normung und die dena eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Energieeffizienzprojekten.

Dr. Martin Hoffmann
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft